Japan 2018, Tag 7

Jörg mein kleines Dornröschen hat noch geschlafen, als ich mich zum 10:00 Uhr Training bei Furuta Sensei aufgemacht habe.

Bevor das Training losging, hat dieser uns gezeigt, wie man traditionell und sicher ein Schwert begutachtet. Später verriet er mir auch, dass Hatsumi Sensei beim Kauf von alten Schwertern weniger auf die Klinge achtet (was die meisten machen), als vielmehr auf die Schönheit und Verarbeitung des Griffes oder der Tsuba etc.

Im Training ging es darum, wie man die Hand des Uke, beim Griff am Revers, mit der eigenen Hand und den Fingern kontrolliert. Außerdem hat er verdeutlicht, dass der Kumi Uchi Griff des Uke, diesen kontrollierbar macht und sich daraus Kukan (Raum) in alle sich bietenden Richtungen um den Uke eröffnet, den es dann zu nutzen gilt. Anschließend ging es darum die Schulter und die Wirbelsäule zu nutzen, um einen Angriff mit Schlag oder Greifen zu parieren.

Am Ende wurde noch kurz auf Ken Jutsu eingegangen und wir haben zum Teil Techniken von letzten Training bei Soke wiederholt. Vielen Dank an meine beiden Trainingspartner Nicole aus Deutschland und Mauro aus Brasilien. Cooles Training mit Euch! 👍🏻🙇🏼‍♂️🙇🏼‍♂️

Angekommen im Kasumi An habe ich dann Dornröschen wieder getroffen. Schon wach, so dass ich ihn nicht wach küssen musste… 🤢😜 Wir sind dann zu „Meine Omis“ essen gegangen. Das ist ja ein Selbstbedienungsladen und jedesmal, wenn ich am Ende der Theke bin merke ich, dass ich viel zu viel auf mein Tablett geschlichtet habe. Es wird aber auch immer alle, weil sooo gut schmeckt! Da heute wieder strahlender Sonnenschein in Noda war, haben wir uns dann noch irgendwo in der Sonne einen Becher Kaffee gegönnt und dann im Kasumi An entspannt, bis wir zum Training bei Shiraishi Sensei nach Kashiwa aufbrachen.

An der Kita Kashiwa Station haben wir uns mit Shiraishi Senseis Schüler Joshua getroffen und sind dann zusammen zum Dojo gelaufen. Das Training findet dort in einer Halle mit 2 Judo-Kampfflächen statt. Auf einer unser Training und auf der anderen ein Aikido Training. Die Blicke der Aikidoka sind zwar immer etwas distanziert und abweisend, aber in Japan klappt das immerhin, dass (wie damals bei Sokes Training in Ayase) zwei unterschiedliche Kampfkünste nebeneinander trainieren können. In Deutschland könnte ich mir das nicht so einfach vorstellen.

Shiraishi Sensei sagte das gutes Ukemi die Grundlage bildet, angstfrei und entspannt zu trainieren, was die Voraussetzung ist überhaupt erfolgreich beim lernen zu sein. Im Training ging es natürlich darum, erst die Balance zu nehmen und danach Techniken jeglicher Form anzuwenden. Ich denke, dass dies alle Shihane hier in Japan machen, aber Shiraishi einer der wenigen ist, die das auch unterrichten. Der Weg ist da quasi das Ziel. Und der Weg ZUM Ziel. Leider verstehen dass nicht so viele Leute. Es wird oft nur der Schlag oder die Technik erkannt, welche nur ein Produkt der Kontrolle ist, die man versucht zu erlangen und dann wird die Priorität auf die falschen Sachen gelegt. Wenn die Technik dann nicht klappt wie erwünscht, wird mehr Kraft oder Schnelligkeit eingesetzt, was eher kontraproduktiv ist…

Naja… Mit Josh sind wir dann noch in eine ganz geheime Geheimbar gegangen, um dort suuuper lecker zu essen und zu trinken, bis wir uns dann später an der Kashiwa Station verabschiedeten.

Japan 2018, Tag 6

Kon ban wa und guten Abend aus Japan!

Wir haben heute lang geschlafen und sind quasi zum Brunch japanische Pfannkuchen essen gegangen. Die werden direkt auf der Theke, die gleichzeitig als riesige Pfanne fungiert, gebraten. Gemüse, Nudeln, Ei, Käse und verschiedenste Zutaten nach Wunsch werden da zusammengebracht und zu einem lecker herzhaften Pfannkuchen verarbeitet. So gut wie das auf dem Bild aussieht, so schmeckt es auch (‚tschuldige Doro!)

Bevor wir zu Nagato Senseis Training gingen, fuhren wir noch ins WonderEx. Das ist ein überdimensionaler SecondHand Shop, bei dem man einfach alles, in sehr gutem Zustand und sehr günstig kaufen kann. Jörg war, wie jeder der zum ersten Mal dort hingeht, von Größe und Angebot überrascht und hat, obwohl er eigentlich nichts kaufen wollte, eine große volle Tüte mit rausgetragen… 😜

Dann mussten wir uns etwas sputen zu Nagato Sensei zu kommen. Dieser zeigte wie immer brillante Techniken und für seine Anwendung der Grundtechniken ist er ja auch bekannt. Mehrere Teilnehmer sprachen davon, dass es wie ein Tanz mit dem Uke aussah. Ich musste allerdings feststellen, dass viele Teilnehmer nur schwer zurecht kamen. Nagato Sensei unterrichtet bzw. zeigt immer Ura und Omote einer Technik, das Innere und Äußere, das schwer oder nicht Sichtbare und das Sichtbare. Er spricht aber nur von dem Sichtbaren. Ohne die andere Seite, funktionieren die Techniken aber nicht. Ich denke neben dem, dass Nagato Sensei einer der bekanntesten japanischen Shihane ist, scheinen seine Techniken leichter für viele, da sie etwas dynamischer und kraftvoller aussehen. Eigentlich halte ich sie aber für fast schwerer, denn auch Nagato Sensei arbeitet mit der sanften Leichtigkeit, wie sie Soke unterrichtet, man sieht es aber nicht so und muss eben das Ura, das Innere der Technik erkennen. Er bewegte den Uke tatsächlich wie einen Tanzpartner, nutzte den Kukan, den Raum, um sich zu bewegen und Kontrolle und Kontakt zu halten. Ich hoffe zumindest meinem Trainingspartner Eric aus Australien etwas geholfen zu haben. 😊

Nach kurzem Zwischenstopp im Kasumi An, ging es dann mit der Bahn nach Toride, wo uns Furuta Sensei schon an der Bahn erwartete, um uns mit zu seinem Training zu nehmen.

Wie auch schon bei Nagato Sensei vorher, haben wir Hanbo (Stock) Techniken geübt. Immer wieder nutzt Furuta Sensei auch Messer als Hilfsmittel, Techniken zu verdeutlichen. Was seine Idee von Kontrolle angeht, haben mir die letzten Tage und Trainings bei ihm sehr viel gebracht!! Er kümmert sich auch immer sehr aufmerksam um Jörg und mich. Eine große Ehre und Glück für uns. Im zweiten Teil des Trainings wurden dann Bo Shuriken geworfen. Furuta und auch seine Schüler haben eine große Auswahl an Wurfpfeilen in verschiedenen Größen und Gewichten aufgeboten. Ich habe mich glaube ich super grau angestellt, aber die Japaner haben sich da freundlicher Weise nichts anmerken lassen. Ob sie hinterher vor lachen zusammengebrochen sind weiß ich nicht… 😜

Nach dem Training hat uns Furuta Sensei wieder in sein Nach-dem-Training-Nudel-essen-Stammlokal mitgenommen. Leeeeecker kann ich nur sagen!! Dann ging es mit der Bahn wieder heim. Wir sind ganz schön geschafft und freuen uns auch schon auf zu Hause. Vorher haben wir aber noch 3 straffe Tage Training und leckere Sachen essen und trinken. Ich glaube wir halten das durch… 😄😅😉

Japan 2018, Tag 5

Nach dem schönen Tage gestern, mit den vielen Eindrücken, haben wir heute etwas länger geschlafen und sind zum 10.00 Uhr Training zu Ishizuka Sensei ins Honbu Dojo geradelt. Auf dem Weg dahin war es zwar kalt, aber herrlich sonnig. Ishizuka Sensei unterrichtete Basics. Te Hodoki und Kihon Happo. Er zeigte viele Details und gab Erklärungen. Die Techniken wurden aber (wie man es bei Basics eben vielleicht auch macht) deutlich stärker und aktiver ausgeführt, als die Techniken wie sie Soke momentan unterrichtet. Bei ca. 15 Teilnehmern ein sehr schönes Training mit Tino aus Chemnitz.

Jörg und ich sind anschließend zum „berühmten“ Tabi-Shop gefahren, wo glaube ich jeder aus dem Bujinkan, der jemals in Japan war, schon gewesen ist. Dort decken sich immer alle mit Indoor- und Outdoortabi und den dazu gehörigen Socken ein und der Besitzer hat im Laden ein Sammelsurium aus Hunderten Visitenkarten von Bujinkan Mitgliedern aus der ganzen Welt. Auf dem Weg dahin waren wir noch am Atago-jinja Schrein. Nach einem weiteren Schrein, sind wir dann im Sakuraji Tempel angekommen. Auch ein viel besuchter Tempel unter Mitgliedern des Bujinkan. Ich war dort bisher jedes Mal und es ist immer schön da. Gerade heute mit der strahlenden Sonne, hat der Tempel sozusagen auch gestrahlt. Es gibt dort immer jede Menge Glücksbringer zu kaufen und man kann sich für die ganze Familie und Freunde mit Glück eindecken…

Nach lecker Sushi am Band, haben wir ein Päuschen eingelegt und sind dann zum Training zu Hatsumi Sensei geradelt. Er hat viel darüber gesprochen den Uke mit der Intension zu stoppen und zu manipulieren. Zu mir und meinem Uke aus Kanada, hat sich glücklicher Weise auch Furuta Sensei gesellt und hat uns wertvolle Tipps gegeben, Ideen vermittelt und Details gezeigt, die man bei Soke so unmöglich mitkriegen kann. Er legt viel Wert darauf mit den Fingern in unterschiedliche Richtungen arbeiten zu können und dabei aber möglichst nicht die Arme zu benutzen, sondern den Körper über die Beine. Auch entgegengesetzte Bewegungen zu den Händen mit dem Körper auszuführen. Das Berühren des Uke sollte immer super sanft, aber kontinuierlich sein und eine Verbindung aufgebaut und nicht aufgegeben werden. Es sollte so der (leere/freie) Raum (Kukan) um Uke herum genutzt werden, um diesen zu kontrollieren. Wenn ich ein Bild für das Gefühl beschreiben sollte, wäre es vielleicht ein Parcours Läufer, der das Gelände nicht verändert, sondern den sich bietenden Raum nutzt, um sich flexibel fortzubewegen und dabei viel Kontakt zum Gelände hält, um den Lauf zu kontrollieren. So ähnlich wäre vielleicht das Bewegen am- und das Kontrollieren des Uke.

Jörg hatte die Gelegenheit mit einem etwas älteren Japanischen Schwarzgurt zu trainieren, der ihm plötzlich ganz aufgeregt darauf aufmerksam machte, dass Hatsumi Sensei ihn für sein Feeling lobend angesprochen hatte. Eine ungewöhnliche Sache, auch da Jörg „nur“ eine Kyu-Rang inne hat. 👍🏻😃

Später als er sich von Soke das Kanji Zeichen für sein japanisches Sternzeichen, den Feuerdrachen auf ein Kakemono Rollbild zeichnen lassen wollte hat, Soke ihm gleich einen tollen Feuerdrachen gezeichnet. Ursprünglich wollte Jörg 3 kleinere Bilder für sich und zwei andere Schüler aus dem Dojo zeichnen lassen, wovon ich ihm aber abraten musste, da aus Respekt vor Soke und seiner Zeit, die anwesenden Schüler nur für sich EIN Bild machen lassen sollen. Also entschied er sich eine teure Rolle zu kaufen, was sich im Nachhinein als die beste Entscheidung herausgestellt hat!!! Es kamen schon Fragen auf warum Soke ihm ein so tolles Bild gemalt hat und welchen Rang er jetzt von Soke bekommen hat… 😄😄😄 Da war ich als Lehrer schon sehr stolz auf meinen Kleinen!! 😊

Da Jörg ja welche übrig hatte, habe ich mir von Soke auf eine der kleineren Leinwände das Zeichen für Okami (Wolf) zeichnen lassen und ihm dabei ein Tuch geschenkt, was ich gestern gekauft hatte, worauf Hunde der gleichen Rasse waren, wie Hatsumi Sensei jetzt einen hat. Alle sagen es sein ein verrückter Hund, weil er alle beißt, aber als ich ihn im Büro bei Soke gesehen habe, war er ganz ruhig und hat mich nicht angebellt oder geknurrt. Gestreichelt habe ich ihn allerdings auch nicht. Man muss sein Glück ja nicht überstrapazieren… 😅 Soke jedenfalls hat sich scheinbar sehr gefreut, sich bedankt und das Tuch gleich lachend herumgezeigt.

Da es schon sehr spät war und nix anderes mehr auf hatte, mussten wir Armen dann nochmal lecker Sushi essen gehen und haben den schönen Tag im Kasumi An bei einem Glas Sake ausklingen lassen… 😊😊😊

Japan 2018, Tag 4

Sightseeing!

Heute gibt es eigentlich nicht so viel wie sonst zu schreiben, da wir nicht im Training waren. Früh trafen wir uns an der Toride Station mit Furuta Sensei und Shoshi San. Wir besuchten 3 der wichtigsten und ältesten Schreine/ Tempel Japans. Es ging los beim Naritasan Tempel. Wie der Name schon sagt, befindet sich dieser unweit vom großen Tokyoer Flughafen und wer dort schon mal gelandet ist, hat vielleicht beim vorbeifahren mit der Bahn die Spitze der großen Pagode über den Baumwipfeln gesehen. Der Tempel ist in erster Linie dem Gott Fudomyo gewidmet. In der genannten Pagode befindet sich eine prachtvolle etwa 5m hohe Statue des Gottes. Sehr beeindruckend!!! Leider kann ich keine Fotos von den Innenräumen der Gebäude zeigen, da dort überall fotografieren verboten ist.

Im Hauptgebäude fand dann eine Feuer-Zeremonie mit vielen bunt gekleideten Mönchen statt. Diese sangen, rezitierten und spielten Musik. Während wir neben Altar saßen, wurde hinter uns zum Beispiel eine etwa 2m im Durchmesser große Daiko- Trommel geschlagen. Ich glaube die Gänsehaut davon, habe ich jetzt noch. Wenn man sie vorher geordert hat, werden Holzbrettchen mit dem Namen und den entsprechenden Glückwünschen in den Rauch des Feuers auf dem Altar gehalten, was die Wünsche quasi „anheizen“ soll. Danach nehmen die Mönche Alltagsgegenstände der Gäste (meist Taschen) und halten Sie ebenfalls zur Segnung kurz in den Rauch. Meinen Schal wollte der eine Mönch aber nicht nehmen. Ich dachte es läge daran, dass er Fransen hat und die nicht engekokelt werden sollen, aber der zweite Mönch wollte auch meine Jacke nicht, mit den Worten: „No clothes!“. So hab ich schnell mein kleines Lederportemonnaie rausgeholt, was der 3. Mönch dann genommen hat. Jetzt habe ich zwar keinen Schutz durch meinen Schal, aber ich hoffe der Segen schützt meine Geldbörse vorm leer werden!!! 😜 Furuta Sensei hatte noch eine Überraschung für mich parat. Als Geschenk zu meiner Ernennung zum Dai Shihan gestern, hatte er ein solches Glücksbrettchen bestellt und das konnte ich mir dann mit meinem Namen darauf abholen. 😊🙏🏻

Dann ging es essen im Aalrestaurant. Wie auf dem Bild zu sehen war der sehr lecker, aber es gab auch eine kleine Suppe mit einen Alien-ähnlichem Stück Aal Innereien darin. Das soll wohl dermaßen gut für alles sein, dass ich es uuunbedingt essen sollte. Wie lecker es aussah kann man ja sehen und genauso lecker hat es auch geschmeckt… 🤢😖 Shoshi San und ich machten dann Witze, dass es sich wahrscheinlich später durch die Bauchdecke frisst und wieder herausspringt…

Bis zum Dunkelwerden haben wir dann noch zwei andere Tempel/ Schreine angeschaut. Ich kenne eigentlich den Unterschied zwischen Tempeln und Schreinen, trotzdem war manches verwirrend von Bezeichnung und Bauwerken innerhalb der Anlagen. Im Gegensatz zu anderen Religionen, können Shintoismus und Buddhismus ja auch beispielhaft ganz entspannt miteinander umgehen und sind oft beide in einer Anlage vertreten. Doch dazu sollte sich der interessierte Leser dann vielleicht außerhalb diese Blogs weiterbilden. Wenn man die Schönheit der Gebäude sieht und auch sehen kann, ist es eigentlich auch total egal, zu wem es nun ganz genau gehört!

Nachdem wir Furuta Sensei zu Hause abgeliefert hatten und uns Shoshi San noch bei der Besorgung einiger Mitbringsel geholfen hat, haben wir den Abend gebührend beim Koreanischen BBQ ausklingen lassen…

Japan 2018, Tag 3

Nächster Tag zum Hirn wegpusten…

Jörg und ich haben uns morgens Zeit gelassen und sind entspannt zum 11.00 Uhr Training zu Soke gefahren. Ich habe mit Shoshi San trainiert und dann hat sich noch Furuta Sensei zu uns gesellt und hat mit uns trainiert und gute Tipps gegeben. Soke hat wieder viele Ideen geäußert, den Uke zu kontrollieren, ohne ihn zu fassen oder es den Uke überhaupt merken zu lassen. Am Ende sagte mir Furuta Sensei ich solle halb 5 im Büro von Soke sein.

Eine Einladung zu Soke ins Büro. Da denkt man nicht 2x nach. Also bin ich reichlich gespannt und aufgeregt dahin gegangen. Dort angekommen, war da ein ganz schöner Bestell- und Posttrubel. Ich wurde zu Sensei gebeten und dieser schrieb und überreichte mir mit Glückwunsch eine Dai Shihan Urkunde… Seit diesem Moment bis jetzt (und wahrscheinlich auch noch ein ganzes Stück länger) fällt es mir etwas schwer klar zu denken. Eine riesige Ehre und Freude und eine Bestätigung auf dem richtigen Weg zu sein und diesen auch weiter zu verfolgen.

Eine halbe Stunde später als geplant bin ich mit Shoshi San zu Furuta Senseis Training gefahren, wo wir auch Jörg treffen wollten. Unterwegs viel mir auf, dass ich Jörg zur ganz falschen Zugstation geschickt hatte! 😳😱 Da er nicht telefonisch erreichbar war und kein Wifi hat, habe ich mir fast ein bisschen Sorgen gemacht. Shoshi San wendete und fuhr zu der Bahnstation zurück, wo wir Jörg mit einer Stunde Verspätung gerade noch erwischten, bevor er sich um die Ecke biegend nach einem WLAN Spot umschauen wollte… 😅

Es war ein tolles Training bei Furuta Sensei, mit Basics und Hanbo-Training. Bevor uns Shoshi San nach Kashiwa zur Bahnstation fuhr, führten uns die beiden noch zum lecker Nudeln mit Süppchen essen in einem kleinen Restaurant, wo Shoshi San und Furuta Sensei immer nach ihrem Training noch Abendessen gehen.

Nun geht ein verrückter Tag zu Ende und der nächste wartet schon. Um 8.30 Uhr müssen wir wieder an (diesmal der richtigen) Bahnstation sein und dann nehmen uns Furuta Sensei und Shoshi San mit und wollen mit uns eine Sightseeing-Tour machen.

Japan 2018, Tag 2

Entspanntes Aufstehen und Frühstück im amerikanisch angehauchten Café. So kann ein Tag losgehen…

Dann ging es zu Seno Sensei. Da es kalt, aber schön sonnig war, konnten wir mit unseren lässig-coolen Damen Fahrrädern biken, cruisen und angeben… 🙈😁 Seno Sensei unterrichtete in 2 Stunden 2 Techniken, aber der Weg dahin war auch lang. Mein Uke Maxim und ich haben es aber glaube ich dann ganz gut hingekriegt. Sehr entspannte ruhige Atmosphäre mit ca. 10 Teilnehmern.

Danach habe ich Jörg zu „Meine Omis“ zum Essen geführt. Ich muss das Restaurant schon so nennen, weil ich es mit den herzlichen Omis hinter der Essenstheke und ihrer leckeren Haumannskost einfach so nennen MUSS. Man könnte fast schon sagen es ist ein MUSS!! 😄😄😄 Als Jörg was gefragt hat, hätte es nur noch gefehlt, dass sie „…mei Gudor!“ gesagt hätten.

Nachmittag sind wir zu Furuta Senseis Training gegangen. Mit Furuta Sensei waren wir nur 5 Leute und die einzigen Nicht-Japaner. Quasi Privattraining. Furuta Sensei erklärte Unmengen an Details zur Kontrolle des Uke und ich bin froh, wenn ich mir einen Bruchteil davon gemerkt habe.

Anschließend sind wir der Einladung von Furuta Sensei und Shoshi San zum Essen nach Kashiwa gefolgt. Ein toller Abend, mit tollem Essen, Sake und einer Menge Geschichten „aus dem Nähkästchen“.

Jetzt sind wir zu Hause und ziemlich platt. Toller Tag, der morgen mit Sokes Training fortgesetzt wird…

JAPAN 2018

Here we go again…

Erneut geht es nach Tokyo, Japan. Meine nunmehr 5. Reise ins Land der aufgehenden Sonne.

Die Reise ging schon gut los, weil ich meinen Buyu (Freund in der Kriegskunst) Daniel in Zürich am Flughafen treffen konnte. Der arbeitet dort und konnte Zeit für mich Organisieren.  Als wir dann in den Flieger einsteigen, sitzt da Tino aus Chemnitz mit 3 seiner Schüler, weil die zufällig mit der selben Maschine nach Tokyo fliegen!

Nach 12 Stunden Flug und über einer Stunde Bahnfahrt angekommen im Kasumi An, unserer Unterkunft, die wir für die nächsten 8 Tage für uns alleine haben, sind Jörg und ich erstmal schön Sushi essen und shoppen gegangen. Nach einen anderthalbstündigen Schläfchen, sind wir dann zum 1. Training zu Hatsumi Sensei gegangen.

Was für ein Hammer Training! Zum ersten sind wir nur um die 35 Teilnehmer gewesen, was angesichts der ca. 50 erst abgereisten Spanier schon ein großer Luxus ist. Soke (Titel für den Großmeister) hat gute Laune gehabt und statt 2 Stunden sogar 2,5h unterrichtet. Ich wurde von einem Japanischen Shihan gefragt, ob ich mit ihm trainieren würde! Ich meine HALLLOOO!! Im Ernst: eine große Ehre und Freude! Wir haben gleich Leute aus Australien kennengelernt, alte Bekannte wieder getroffen und waren sofort mittendrin statt nur dabei!

Soke zeigte und erklärte, dass man einen Kukan, einen Raum kreieren soll, in dem man den Uke kontrolliert und hat dann entsprechend noch einen drauf gesetzt, in dem er das nur mit der Kontrolle von Ukes Fingern und mit seinen Fingern gemacht hat.

Mit Unterstützung von Furuta Sensei kam ich dann zum einzigen Foto mit Soke Hatsumi am heutigen Tag.

So viele Eindrücke heute!!! So viele nette tolle Leute wieder gesehen und kennengelernt. Das Kasumi An erinnert mich etwas an das Schloss von Elsa, der Eiskönigin: wunderschön und EISKALT! Wir haben Dampf vorm Gesicht beim Ausatmen, in den nicht geheizten Räumen… 😄😗💨❄️ Aber morgen soll es schon wärmer werden…

 

9. und letzter Tag

Wieder in Deutschland. Die Zeit ist mal wieder geflogen, so wie ich entspannt zurück. 

Gestern ging der letzte Tag in Japan mit dem 9:00 Uhr-Training bei Shiraishi Sensei los. Ich hatte noch einmal die Gelegenheit mit meinen neuen Lieblings-Australiern Karl und Dale, mit Josh und mit Brian zu trainieren. Shiraishi Sensei hob nochmals die wichtige Reihenfolge hervor, ERST die Balance des Ukes zu manipulieren/ stören und erst DANN eine Technik anzubringen. 

Man sagt vom Leben, dass es manchmal wichtig ist Dinge loszulassen, wenn sie einen nach unten ziehen. Ich hab in Japan gelernt, dass das im Taijutsu genauso gilt. „Loslassen“ kann für den Gegner oft viel schwieriger zu handhaben sein, als ihn ganz zu Boden zu bringen. Man muss ihn quasi seinen eigenen Weg nach unten finden lassen. Das ist im Leben manchmal auch so mit Menschen, die uns eine Weile begleiten. Nicht nur als Partner, sondern auch als Freund, Bekannter oder Gegner. Schwer zu beschreiben, aber es gibt quasi ein KUDEN. Wer also wissen möchte, was ich genau meine, sollte mich auf einen Saft oder so einladen… 😊

Krönender kulinarischer Abschluss war der Besuch beim All you can eat- Essen im koreanischen BarBQ Restaurant mit René und Brian. Läggor!!! 

Die zweite und letzte Trainingsrunde dann war eine klasse Session mit angenehmer Gesprächsrunde bei Nagato Sensei. Ein paar lustige Selfies sind, wie man sieht auch noch entstanden. 

Was mir immer bei Reisen auffällt, so auch in Japan und auf den Flughäfen, ist, dass alle kleinen Kinder dieser Welt gleich sind. Sie sind neugierig, erforschen ihre Welt und staunen über einen Menschen, der anders als die gewöhnlichen Menschen um sie herum ausssieht. Sie kämpfen mit allen Mitteln mit ihren Eltern um ein Eis, wenn es eigentlich zu kalt dafür ist usw. Erst mit 3-4 Jahren werden sie von Gesellschaft und Religionen verzogen. Vorurteile gebildet. Hemmungen antrainiert. Von sich selbst verfremdet. Zu Feinden, statt zu Freunden geformt. So schade. 

Ich danke allen Lesern und hoffe ein wenig Freude gemacht und zum Denken angeregt zu haben. 

Tag 8

Da Hatsumi Sensei sein Training heute leider abgesagt hat, habe ich mich mit Einheimischen (Japanern und einem Amerikaner) verabredet einen Park zu besuchen und den Tag entspannt zu verbringen. Also ging es nach einem super Frühstück mit Rührei und allen drum und dran im Kaffee um die Ecke, nach Matsudo. Dort befindet sich ein großer Park, wo viele japanische Familien in der Vor-Frühlingssonne gepicknickt und sich erholt haben. Mit Faulenzen, Frisbee spielen und rumgammeln in der Sonne kann man schon mal einen halben Tag verbringen… Es war sogar ein speziellen Tag mit Daiko Live Musik (japanische Trommeln). 

Auf dem Weg zurück kamen wir an einem wirklich schönen Tempel vorbei. Dort erfuhr ich, dass es der Tempel genau neben Rob Renners Dojo ist. In seinem Dojo war ich 2015 einmal, aber dass es dieser Schrein ist wusste ich nicht…

Zu hause anbekommen traf ich dann Brian aus den USA, der frisch im Kasumi Ann eingetroffen war. Wir sind dann gemeinsam bei meinen Omis Essen gegangen und haben uns noch etwas zu trinken geholt, um den Abend dann gemütlich im Kasumi Ann ausklingen zu lassen. 

Morgen geht es zurück nach Deutschland. Die Zeit ist super schnell verflogen, aber ich freue mich riesig auf meine Heimat und meine Familie. 

Tag 7

Super früh aufgestanden und zum Training nach Kita Kashiwa zu Shiraishi Sensei gefahren. Der Weg dauert ungefähr eine Stunde und da das Training schon um 9 losging, war das SEHR zeitig… Witzig war der junge Mann, der sich mit der Flagge auf seinem grünen Parker genau neben mich setzte. Beim Training haben wir dann an den bisher beschriebenen Themen weitergearbeitet. Mein Kopf war nicht ganz frei und ich hatte das Glück, dass mein sehr guter erster Trainingspartner Falko aus Deutschland mir gut geholfen hat, das richtige Feeling zu kriegen. Auch Ivan aus Russland und Satoru aus Japan, meine beiden folgenden Trainingspartner, waren Klasse und es wurde nach anfänglichen Schwierigkeiten ein tolles Training. Da ist verdammt viel, um in Deutschland daran zu arbeiten!!!

Dann war japanische Kultur angesagt. Glücklicher Weise hatte ich einen japanischen Führer, der mir jede Menge Sachen zeigte und erklärte. Zum Shoppen für die Familie ging es zuerst nach Harajuku, einem abgefahrenen Viertel mit Unmengen von Menschen und unzähligen Shops. Gleich daneben haben wir dann denn Meiji Schrein besucht, welcher wiederum am ziemlich bekannten Yoyogi Park liegt, wo sich, neben vielen Japanern, auch viele Straßenkünstler und Manga-verkleidete Menschen zeigen. Letztere habe ich leider nicht so viele gesehen.

Interessanter Weise gibt es dort keine oder kaum Kriminalität. Inmitten von geschäftigen und teilweise sehr abgedreht aussehenden Menschen wird nicht geklaut. Da werden Taschen und Rucksäcke getragen, dass sie an einem vergleichbaren Ort in Europa (wenn es den überhaupt gibt) ziemlich schnell leer wären…

Zum Essen ging es dann nach Asakusa zum Japanische Pfannkuchen essen. Inmitten von neumodischen Häusern steht da ein uraltes Haus, wo wir sehr traditionell auf dem Boden sitzend unser Essen auf der heißen Tisch- bzw. Herdplatte selber zubereitet haben. Die Tintenfischinnereien meines Begleiters habe ich aber nach kurzem Kosten dankbar abgelehnt… 🙊😜

Asakusa ist bekannt für seinen Schrein mit den riesigen Laternen. Doch bei Nacht werden ihn die wenigsten gesehen haben. Hammer! Und wenige Leute im Gegensatz zu den Massen, die sich tagsüber dort entlangschieben.

Der Tag endete spät mit vielen Eindrücken von den japantypischen Extremen.