Tag 8

Da Hatsumi Sensei sein Training heute leider abgesagt hat, habe ich mich mit Einheimischen (Japanern und einem Amerikaner) verabredet einen Park zu besuchen und den Tag entspannt zu verbringen. Also ging es nach einem super Frühstück mit Rührei und allen drum und dran im Kaffee um die Ecke, nach Matsudo. Dort befindet sich ein großer Park, wo viele japanische Familien in der Vor-Frühlingssonne gepicknickt und sich erholt haben. Mit Faulenzen, Frisbee spielen und rumgammeln in der Sonne kann man schon mal einen halben Tag verbringen… Es war sogar ein speziellen Tag mit Daiko Live Musik (japanische Trommeln). 

Auf dem Weg zurück kamen wir an einem wirklich schönen Tempel vorbei. Dort erfuhr ich, dass es der Tempel genau neben Rob Renners Dojo ist. In seinem Dojo war ich 2015 einmal, aber dass es dieser Schrein ist wusste ich nicht…

Zu hause anbekommen traf ich dann Brian aus den USA, der frisch im Kasumi Ann eingetroffen war. Wir sind dann gemeinsam bei meinen Omis Essen gegangen und haben uns noch etwas zu trinken geholt, um den Abend dann gemütlich im Kasumi Ann ausklingen zu lassen. 

Morgen geht es zurück nach Deutschland. Die Zeit ist super schnell verflogen, aber ich freue mich riesig auf meine Heimat und meine Familie. 

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Tag 7

Super früh aufgestanden und zum Training nach Kita Kashiwa zu Shiraishi Sensei gefahren. Der Weg dauert ungefähr eine Stunde und da das Training schon um 9 losging, war das SEHR zeitig… Witzig war der junge Mann, der sich mit der Flagge auf seinem grünen Parker genau neben mich setzte. Beim Training haben wir dann an den bisher beschriebenen Themen weitergearbeitet. Mein Kopf war nicht ganz frei und ich hatte das Glück, dass mein sehr guter erster Trainingspartner Falko aus Deutschland mir gut geholfen hat, das richtige Feeling zu kriegen. Auch Ivan aus Russland und Satoru aus Japan, meine beiden folgenden Trainingspartner, waren Klasse und es wurde nach anfänglichen Schwierigkeiten ein tolles Training. Da ist verdammt viel, um in Deutschland daran zu arbeiten!!!

Dann war japanische Kultur angesagt. Glücklicher Weise hatte ich einen japanischen Führer, der mir jede Menge Sachen zeigte und erklärte. Zum Shoppen für die Familie ging es zuerst nach Harajuku, einem abgefahrenen Viertel mit Unmengen von Menschen und unzähligen Shops. Gleich daneben haben wir dann denn Meiji Schrein besucht, welcher wiederum am ziemlich bekannten Yoyogi Park liegt, wo sich, neben vielen Japanern, auch viele Straßenkünstler und Manga-verkleidete Menschen zeigen. Letztere habe ich leider nicht so viele gesehen.

Interessanter Weise gibt es dort keine oder kaum Kriminalität. Inmitten von geschäftigen und teilweise sehr abgedreht aussehenden Menschen wird nicht geklaut. Da werden Taschen und Rucksäcke getragen, dass sie an einem vergleichbaren Ort in Europa (wenn es den überhaupt gibt) ziemlich schnell leer wären…

Zum Essen ging es dann nach Asakusa zum Japanische Pfannkuchen essen. Inmitten von neumodischen Häusern steht da ein uraltes Haus, wo wir sehr traditionell auf dem Boden sitzend unser Essen auf der heißen Tisch- bzw. Herdplatte selber zubereitet haben. Die Tintenfischinnereien meines Begleiters habe ich aber nach kurzem Kosten dankbar abgelehnt… 🙊😜

Asakusa ist bekannt für seinen Schrein mit den riesigen Laternen. Doch bei Nacht werden ihn die wenigsten gesehen haben. Hammer! Und wenige Leute im Gegensatz zu den Massen, die sich tagsüber dort entlangschieben.

Der Tag endete spät mit vielen Eindrücken von den japantypischen Extremen.

Tag 6

Heute morgen ging es ab zum Training bei Pete Reynolds. Ziemlich zentrumsnah in Tokio. Je näher man dem Zentrum kommt, umso geschminkter und rausgemachter sehen die Frauen aus… Pete nutzt ein Dojo direkt neben einem kleinen Schrein, inmitten von, tlw. hohen, Wohnhäusern. Ich trainierte mit Rich aus den USA, der mehrmals im Jahr in Japan trainiert und auch schon gestern bei Paul zu Gast war. Pete gab sich sehr viel Mühe, an meinen schlechten Gewohnheiten im Taijutsu zu arbeiten und ich denke einiges mitgenommen zu haben. Es ging viel darum wie er Sokes Lehren versteht. Zwei Sätze sind mir in Erinnerung geblieben. Zum einen: „Defend from defending yourself“ und „Der einzige Weg einen Krieg oder Kampf zu stoppen, ist den Gegner dazu zu bringen den Kampf zu beenden zu wollen.“ Brilliant!! Beides!

Ich versuchte in Kashiwa noch ein paar Mitbringsel einzukaufen, habe aber nix gescheites gefunden…

Naja, zurück zu hause traf ich Paul und sah ihm beim Zeichnen zu. Dabei ist der coole Daruma auf dem Beitragsbild entstanden. Die Worte heißen NINPO IKKAN MA GOKORO NI MASARE, was so viel bedeutet, wie: beständiges Üben der Kunst des Ninpo mit einem reinen Herzen.

Danach ging es zu Sokes Training. Es waren viele Leute da, die ich in den letzten Wochen kennengelernt habe. Über das Training gibt es weniger zu sagen. Man muss Soke erleben, um auch nur ansatzweise zu verstehen, was er da macht. Doch selbst das ist eher nicht möglich… es macht auch keinen Sinn hier irgendwelche Erklärungen von Dingen zu schreiben, die nicht wirklich erklärbar sind.

Nach einem schnellen Sushi Essen, haben wir auf Csabis bestandenen Godan Test getrunken. Willkommen in Kreis, die auch nicht mehr verstehen… 😜

 

Tag 5

Nach dem ich die erwähnten Kopfschmerzen halbwegs los war, ging es heute Training „zu hause“ im Kasumi Ann bei Paul los. Er hat (wie immer) geniale Einblicke in seine Erfahrung mit Soke Hatsumi gegeben. Es waren viele Teilnehmer aus Irland, Frankreich, Finnland, USA, Ungarn, Dänemark, Ukraine, mit mir aus Deutschland und mit Pauls Frau Tomoe auch aus Japan anwesend. Wir konnten sogar im Garten trainieren, weil es herrlich sonnig war.

Paul sprach von ZEN TAI IN YO, was so viel bedeutet wie: der ganze Körper mit In und Yo, also beide Seiten (der Medaille, rechts und links, böse und gut… was auch immer). Man kann das sehr körperlich interpretieren oder sehr philosophisch. Gut fand ich auch den Tipp „Habt Hände auf eurem ganzen Körper, um zu fühlen!“…

Ein großartiges Training, das mit einer gemeinsamen Gesprächsrunde beendet wurde, zu der Tee, Schokolade und seeeehr leckerer selbst gemachter Pflaumenwein von Paul und Tomoe serviert wurde.

Anschließend nahm ich Ben und Csaba mit zum Koreanischen Grillrestaurant. Lecker!!! Wer hier in Japan ist und das nicht probiert, hat wirklich was verpasst.

Mit Wesley aus Irland, der am Morgen schon bei Paul war, habe ich dann bei Noguchi Sensei trainiert. Das war wieder sehr lustig. Noguchi Sensei arbeitete wieder sehr tänzerisch, mit viel Hüfteinsatz und hat das gewohnte Feuerwerk an Techniken abgebrannt.

Am Abend sind dann einige Iren, Amerikaner, Finnen, Paul, Tomoe und ich in das Onsen, also ins Badehaus, gegangen. Wie erwartet musste ich mit einem großen Handtuch meine Tattoos abdecken, weil diese in Japan, als Yakusa (japanische Mafia) Zeichen gelten und nicht gemocht werden. Es sagte aber niemand etwas. Die Männer sind da auch etwas gelassener. Weniger Glück hatte da unsere amerikanische Teilnehmerin, die in der Frauen Abteilung böse von einer alten Japanerin beschimpft wurde und dann rausgehen musste, obwohl Tomoe als Japanerin bei Ihr war. An der Tür stand extra Tattoos nur bis 20×20 cm und maximal drei Stück, was bei ihr eigentlich okay gewesen wäre, aber die alte Dame sagte das wäre Blödsinn und wenn es so wäre würde sie nie mehr herkommen usw. Naja, das Onsen hatte ja auch noch 2 weitere Bereiche, in denen man sich dann im hauseigenen Pyjama bewegt und alle Tattoos abgedeckt waren… 😊

 

Tag 4

Der Abschluss des gestrigen Tages bestand aus einem sehr leckeren und lustigen Essen und Trinken mit Josh aus Amerika, der seit Jahren hier in Japan lebt, Dale und Karl aus Australien und René aus Deutschland. (Also wieder sehr international… ) Dies  war dann wohl auch der Grund, dass ich nicht mehr schreiben wollte/ konnte und erst heute den gestrigen Tag Revue passieren lassen möchte.

Der Tag gestern ging wieder mit einem tollen Training bei Shiraishi Sensei los. „First a little off balance…“ hat er öfters gesagt. Es ging und geht eigentlich immer und bei allen Lehrern, darum den Angreifer keine Intension zu geben zu kämpfen. Ihn nicht merken zulassen, dass man kämpft und wenn, dann erst wenn es für ihn zu spät ist. Deshalb wird auch viel mit und über die Finger gearbeitet. Sehr weich und und doch sensibel, so dass man den Uke führen und seine Absichten erkennen und leiten kann. Meine Trainingspartner waren diesmal aus Finnland, Australien und den USA.

Danach war ich mit René im Wonder Rex. Einem Second Hand Store, wie man ihn wohl nur hier erleben kann. René war auch erst skeptisch und dann überrascht wieviel und was es dort alles gibt. Eben alles! Und nix altes abgeranztes. Eher neues oder neuwertiges Zeug, zumindest aber in super Zustand. René kam auch nicht daran vorbei sich etwas zu kaufen… 😊

Dann war ich mit René endlich mal bei „meinen“ Omis!!! Das ist eine Selbstbedienungsrestaurant, in dem man leckere japanische Hausmannskost zu super günstigen Preisen bekommt (siehe Foto). An der Theke stehen immer auch 2 ältere nette Damen, die Essen brutzeln und servieren, deshalb meine 2 Omis…

Das 2. Training des Tages hatten wir dann bei Nagato Sensei. Ich trainierte mit einem Shidoshi aus Italien. Was hängengeblieben ist, ist unter anderem eine Te Hodoki Technik (Handbefreiung), die wieder mit den betenden Händen ausgeführt wurde. Eine sehr gute Methode Abwehr und Angriff zu ermöglichen und dies hinter einer fast ergebenen Geste zu verstecken.

Am Abend bin ich dann zum 2. Training bei Shiraishi Sensei nach Kashiwa gefahren. Ich traf mich mit René, Karl, Dale und Josh an der Bahnstation und wir liefen gemeinsam zum Dojo. Unterwegs kamen wir an einem offenen Sumo Dojo vorbei, wo junge Sumotori trotz Kälte quasi im Freien trainierten, nur mit ihrem Sumo-Schlüppi bekleidet.

Bei Training hat Shiraishi Sensei dann schon etwas tiefer in die Ninja Kiste gegriffen, als im Hombu Dojo und zeigte Sachen, die wesentlich weiter führend waren. Er erklärte viele Details aus Sokes Unterricht.

Danach brachte uns Josh zu einer echt starken Bar im 7. Stock eines Hauses in Kashiwa, wo wir lecker Essen und Trinken konnten und mit Blick auf Kashiwa einen lustigen Abend verbrachten. Mit einem der letzten Züge bin ich dann nach hause gefahren und nach noch 2 Tassen leckeren Ume Shu (Pflaumenwein) mit meinen ungarischen Mitbewohnern, sehr müde ins Bett gefallen, ohne noch Bericht schreiben zu können.

Ob das viele Training, das Bier in der Bar, der Ume Shu oder die Summe daraus meine abartigen Kopfschmerzen heute Früh auslösten bleibt fraglich… 🤕🤔😜

Tag 3

Ein trainingsreicher Tag geht zu Ende.

Es ging los mit Training bei Paul Masse, der gestern Abend ankam. Er erklärte sehr viele Details, Hatsumi Senseis Taijutsu, welche er als sein häufiger Uke (Trainingspartner oder Vorzeige-Vermöbel-Objekt) besser weiß, als alle die nur zusehen können. Er zeigte Dinge auf die man achten soll, z.B. nur mit den Fingern oder einem Finger zu arbeiten und eine Verbindung zum Uke aufzunehmen, die dieser nicht bewusst wahrnehmen soll, um ihn entsprechend zu kontrollieren und zu führen. Er erklärte, wie man am besten an den schmerzhaften Fingerkontrollen arbeiten kann/ soll. Außerdem machten wir einen Blasrohrwettbewerb. Kanako, die Yogalehrerin und stellvertretende Chefin im Haus hat gewonnen und die Männer abgezogen… Paul hat ihr vorher einen Pfeil auf den Hintern geschossen und musste dann 3 Pfeile in vorgebeugter Haltung als Rache entgegennehmen… 😳😳😳😂😂

Nach einer leckeren Mittagessensschüssel ging es weiter zum 2. Training bei Darren. Es waren nicht so viele Teilnehmer bei seinem Training und man konnte so richtig gut lernen und was er erklärte war auch genial. Es ging darum, dass nur 10% der Dinge bewusst aufgenommen, durchgeführt, man könnte sagen gelebt werden. 90%, also der wesentlich größere Teil dagegen unterbewusst abläuft. D.h. nur eine kleiner Teil liegt in unserem Wahrnehmungs- und Beeinflussungsbereich. Dies nutzt Soke im Training, um seine Angreifer zu beeinflussen, in dem sie Dinge erwarten, die er nicht geschehen lässt und Dinge geschehen, die die Uke nicht erwarten. Dies führt zu größtmöglicher Verwirrung. Um dies geschehen zu lassen und den Uke damit kontrollieren zu können, ist es von größter Wichtigkeit sich selbst kontrollieren zu können. Paul sprach beim Training vorher davon den Uke wie eine Biene in der Hand zu kontrollieren. So dass sich nicht sticht und auch nicht wegfliegt. Als Uke von Paul und Darren und wohl auch als Uke von Soke fühlt man sich eher wie die kleine verwirrte Biene, die keinen Grund und keine Chance hat zu stechen, aber eigentlich weg will und doch nicht kann (besonders in Darren’s Riesenhänden… 😵)

Beide Trainings waren dann eine perfekte Vorbereitung für das Training bei Soke Hatsumi. In der Ecke, wo ich mit dem frisch aus Deutschland eingetroffenen René trainierte, waren auch Paul, Yabunaka San, Doug Wilson, Pete Reinolds und Darren. Es war eine sehr lustige Atmosphäre und ein klasse Training, bei dem ich dank Paul und Darren mehr von den versteckten Details wahrnehmen konnte und mich nicht mit Dingen der 90% unterbewusst stattfindenden und nicht erklärbaren Seite belastete. Das machte freier und einfacher, als jedes Soketraining bevor.

Ein leckeres Sushiessen mit René hat den Tag dann abgerundet. 😊

 

Sollte es Leser geben, die Fragen haben, hinterlasst gerne einen Kommentar und ich versuche mein Bestes diese dann zu beantworten.

 

Tag 2

Okay, heute Früh hat mich irgendein Wecker mit Hahnkrähen geweckt. Ich dachte es wäre der Wecker meiner beiden ungarischen Mitbewohner im Nachbarzimmer und bin halt aufgestanden. Als ich dann fertig angezogen, gewaschen und geputzt war, habe ich realisiert, dass ich mal eben eine Stunde zu früh aufgestanden bin. Es war nicht mal der Wecker der Ungarn…

Naja, los ging es zum ersten Training heute zu Shiraishi Sensei. Da ich erst keinen Partner hatte, hat mich Shiraishi Sensei zu einem Schüler in normalen Sportklamotten geschoben. Ich dachte „Okay, Training mit Anfängern ist auch nicht verkehrt.“, doch weit gefehlt! Der junge Mann aus Rumänien war echt stark und hatte schon oft bei Shiraishi trainiert und hat mir super geholfen in das, von vielen Details gespickte, Training zu finden. Nach einem Partnerwechsel schob mich Shiraishi dann zu einem Shihan im besten Alter aus Israel. Wieder ein Partner, den ich nicht auf Anhieb gewählt hätte, der aber mit seiner Erfahrung und seinem Wissen, seine Rücken- und Knieprobleme und seine verletzte Hand wettgemacht hat. Wieder ein unerwartet tolles Training. Danach war es erneut Shiraishi (der alte Fuchs!), der mich zu meinem 3. Trainingspartner brachte. Das 120kg Kraftpaket, welches eher Angst, als Lust auf Training gemacht hat, war dann Karl, ein Polizist aus Australien, der sich als super nett, bescheiden und sehr soft und entspannt in seinem Taijutsu (Fähigkeit den Körper einzusetzen) erwiesen hat. WOW! 3 Trainingspartner aus 3 vollkommen verschiedenen Ländern der Erde und 3x total überrascht, von der Qualität des Trainings… Wenn ich an dieser Stelle meinen Freund und Lehrer Steffen Fröhlich zitieren darf: „Die Politiker der Welt kommen zusammen, um Frieden zu stiften und erschaffen Krieg. Im Bujinkan kommen wir zusammen, um Kämpfen zu lernen und werden Freunde.“ Besser kann ich den Moment nicht in Worte fassen. Wer meinen Facebook Account kennt, hat vielleicht die 10 Lektionen des Dalai Lama gelesen, die das Leben verändern. Regel Nr. 4 lautet: „Gehe einmal im Jahr irgendwo hin, wo du noch nie warst.“. Irgendwie war das Training, als wäre nicht ich in Rumänien, Israel oder Australien (wo tatsächlich noch nie war) gewesen, sondern als wäre jeweils ein Teil dieser Länder zu mir gekommen…

Beim Training selber sagte Shiraishi Sensei, dass wir nicht wirklich in einer Zeit leben, wo viel gekämpft wird oder zumindest die wenigsten von uns kämpfen müssen. Daher ist es von großer Wichtigkeit die inneren und feineren Aspekte des Trainings hervorzuheben und somit ein tieferes Verständnis für Ninjutsu und Bujinkan zu erhalten. Er erklärte, den Gegner erst mit zwei gegensätzlichen oder gleichgerichteten Bewegungen zu verwirren und aus der Balance zu bringen, bevor man eine Technik ansetzt. Das Ganze natürlich mit sehr „sneaky“ Bewegungen und in welcher Reihenfolge!?!?! Natürlich: FOOTWORK-SPINEWORK-HANDWORK!!! 😄😊 Wer hätte das gedacht!

Nach einem leckeren japanischen Mittagessen mit meinen 2 ungarischen Mitbewohnern, haben wir dann Training bei Nagato Sensei mitgemacht. Ich habe mich sehr gefreut, als mich mein israelischer Trainingspartner vom ersten Training fragte, ob ich wieder mit ihm trainieren würde und habe das auch dankbar angenommen.

Das Training war schwer zu beschreiben. Man könnte sagen das übliche grandiose Training bei Nagato… 😊 Hängengeblieben ist mir, dass er viel mit Gassho no Kamae abgewehrt hat. Eigentlich eine Grundkampfstellung mit „betenden“ Händen, 🙏🏼 welche aber relativ selten unterrichtet wird. Mit dem sich bildenden Dreieck wir der Angriff quasi abgeleitet und „öffnet“ den Uke für eine Gegentechnik.

Da morgen viel Training ansteht, habe ich mir erlaubt den Rest des Tages entspannt ausklingen zu lassen… 😊

Tag 1 März 2017

Wenn man nicht genau weiß, ob man Abenteuer erlebt, schafft man sich welche…

Ca. 2 Stunden vor Landung in Tokio fiel mir auf, dass ich mein Geld vermisse! Der Flug war bis dahin okay und ab da die Hölle! Ich wusste nicht, hab ich es verloren oder wurde es mir gestohlen oder hab ich es gar ganz vergessen. Ich war des festen Glaubens, es in meiner Handgepäcktasche zu haben und da war es nicht (mehr?). Nach der Landung und einiger Wartezeit, schrieb meine Frau Annett, dass ich es zumindest nicht verloren hatte, sondern es ganz ordentlich im Flur unserer Wohnung auf mich wartete, nur 12 Flugstunden entfernt. Zum Glück hatte ich etwas Geld vorher in mein kleineres Portemonnaie gesteckt und konnte die Bahnfahrt  nach Noda bezahlen, sondern würde ich wohl jetzt noch auf dem Flughafen festsitzen… o.O Nach einigem Bangen, habe ich heute mit meiner Kreditkarte Geld holen können und kann nun erst richtig entspannt auf die nächsten Tage blicken. Der Moment im Flugzeug, 2 Stunden vor der Landung, hat mich aber aller Wahrscheinlichkeit nach ein paar graue Haare und ein zuckendes Augenlid gekostet… 😜

Um 0:00 Uhr Ortszeit bin ich dann eingeschlafen und hatte einen erholsamen Schlaf aus dem ich heute Früh ohne Jetlag aufgewacht bin und war fit für das erste Training bei Noguchi Sensei. Er unterrichtete Henka (Varianten) der Grundkatas aus der Gyokko Ryu. Sehr interessant. Nach dem er die Technik gezeigt hatte, nahm er sich fast jedes mal Zeit Thomas und mir noch das eine oder andere Detail zu zeigen. Entweder er mochte uns oder wir taten ihm Leid… Es ging darum viel über die Bewegung und die Ellenbogen zu arbeiten. Alles sehr tänzerisch auszuführen, unter Einsatz der Hüfte. Aufgefallen ist mir, dass selbst wenn er sich mit dem Oberkörper nach vorn lehnte, er nie den Rücken krumm machte, sondern die Spannung für einen geraden Rücken und damit für seine Stabilität und Balance behielt.

Gleich im Anschluss daran war Training bei Hatsumi Sensei. Auch bei ihm ging es um die Hüfte und das Timing und den Rhythmus für Muto Dori.Wir begannen mit Oni Kudaki und nach der Zeichenpause ging es mit Waffen weiter. Es ging unter anderem darum den Gegner/ Angreifer nicht merken zu lassen, dass man kämpft und den Kampf schon vor der Attacke für sich zu entscheiden. Dabei nicht oder wenig zu greifen und es ging um Brüste… 😳

Danach verbrachten Albert und Thomas aus Halle und ich noch den Rest der Zeit bei Essen, Radfahren, am Sakuragi-jinja Schrein und bei Sake, da die beiden morgen Früh wieder nach hause fahren (da muss man ja mal auf eine gute Reise anstoßen!).

Auf nach Japan

Japan 4.0…

Ich sitze auf dem Nürnberger Flughafen vor dem Terminal nach Istanbul. Von dort geht es weiter nach Tokio. Ich werde auch dieses Mal Tagebuch schreiben und die Interessierten können meinen Erlebnissen und vielleicht Abenteuern folgen.

Die Trennung von der Familie ist etwas schwerer gefallen, als gedacht, aber ich freue mich auf meine Reise, Paul und Tomoe Masse und meinen Lehrer Steffen Fröhlich, den ich dort treffen werde.

Es birgt ja immer auch eine gewisse Verantwortung, etwas aus so einer Reise, die Familie und Freunde überhaupt ermöglichen, zu machen. Schon jetzt ein großer Dank an meine Frau und meine Eltern!

 

 

Tag 10

Letzter Tag in Japan…

Nach dem Aufstehen ging es gleich zu Shiraishi Senseis Training. Einfach stark. Es gibt viele; die ihm nicht so zugetan sind, aber wie ich schon sagte fehlt den meisten, was er unterrichtet. Diese subtile und weiche Art könnten viele gebrauchen oder zumindest in ihr Training einbringen, um sich zu verbessern. Shiraishi sagte heute: „Most people do not know themselfe and this can cause much trouble. It is very dangerous.“ Ich glaube Sun Tsu hat schon in der „Kunst des Krieges“ geschrieben, dass man zuerst sich selbst kennen sollte, dann den Gegner. Sich selbst und seine eigene Persönlichkeit zu hinterfragen benötigt allerdings eine Menge Mut. Die aufzubringen fällt niemandem leicht. Im Zweifelsfall sollte man halt seine Richtung ändern und genau das ist für mich auch die Essenz von heute und der ganzen Reise. Ich meine nicht etwas hinzuschmeißen, wenn es schwer wird. Augeben macht beim Kampf ja auch nicht wirklich Sinn, wenn darum geht zu überleben. Nein, es geht darum einen anderen Weg zum Erfolg zu finden, wenn der geplante Weg versperrt ist. Oder man noch besser garkeinen speziellen Weg geplant hat, um wiederum flexibel zu handeln, wenn es nötig ist. Ein Ziel sollte man definieren über das WAS, BIS WANN uns das WIE. Letzteres sollte schon im Auge behalten werden, aber wenn man sich nur eine Strategie ausdenkt und diese nicht funktioniert ist man verloren.

Die Bewegungen von Shiraishi Sensei sind, wie er auch immer betont sehr natürlich. Ich denke es ist schlimm, dass es so schwer fällt sich locker und natürlich zu bewegen. Alle Shihane (so auch Shiraishi, was jeder weiß der ihn kennt), welche sich natürlich bewegen lächeln. Also könnte man schlussfolgern, dass lächeln, entspannt und glücklich sein zur Natur der Menschen und ihrem Handeln gehören sollte. Leider ist das oft nicht der Fall…

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Nach dem Training habe ich noch die letzten Mitbringsel besorgt und bin nochmal zu meinen LIeblings-Omis essen gegangen. Vom einfachen  Arbeiter, über Schüler, bis hin zu wohlhabend aussehenden Anzugträgern ist dort alles anzutreffen.

In Japan kann man übrigens überall auf öffentliche Toiletten (von denen es viele gibt) gehen, ohne hygienische Bedenken zu haben. An einem Bahnhof haben sie sogar ein plätschern über den Lautsprecher abgespielt. Wahrscheinlich dass niemand den Zug verpasst, weil er nicht konnte… 🙂

Es gibt in den Zügen gibt es auch spezielle Frauenbereiche, wo zu bestimmten Zeiten keine Männer rein dürfen. So ein Mist! Da will man sich zur Rush-Hour mal ein bisschen an Frauenkörpern reiben und dann sowas!!! 😉

Was ich auch oft gesehen habe, sind Kinder, die genau wie unsere in Deutschland sind: Mama ist ihr Ein und Alles, sie sind neugierig, wollen noch irgendwelchen Quatsch aus den Regalen an der Supermarktkasse haben und so weiter. Da sieht man, dass wir so gleich geboren werden auf der ganzen Welt und nur Politik, Religionen und Erziehung uns zu Feinden und Rivalen werden lassen. Selbst der Dalai Lama schreibt, dass die Welt wohl besser ohne Religionen dran wäre…

Das zweite Training war heute bei Nagato Sensei. Er sprach unter anderem davon, dass zu schützen und zu überleben das Jahresthema sein wird und in der nächsten Zeit immer wichtiger werden wird.

Soke sagte gestern er hat 42 Jahre gelernt, 42 Jahre gelehrt und nun bricht ein neues Zeitalter für ihn an. Als Ergänzung zu gestern ist mir noch eingefallen, dass man auch aufpassen sollte, wenn man Teile von antiken Waffen kauft. Wenn erkennbar ist, dass die Teile öfter getauscht worden sind (wenn z.B. viele Bearbeitungsspuren erkennbar sind), dann könnte das daran liegen, dass die Besitzer vielleicht relativ schnell gestorben sind. Diese mögliche Geschichte einer Waffe sollte man beachten. Dieses gilt auch für Möbel und ähnliches…

Obwohl ich sehr müde war, habe ich mich glücklicher Weise noch entschlossen zu Noguchi Senseis Training zu gehen. Nur 4 Schüler und ein toll aufgelegter und motivierter Noguchi. Ein grandioser Trainingsabschluss für Japan!

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