Tag 10

Letzter Tag in Japan…

Nach dem Aufstehen ging es gleich zu Shiraishi Senseis Training. Einfach stark. Es gibt viele; die ihm nicht so zugetan sind, aber wie ich schon sagte fehlt den meisten, was er unterrichtet. Diese subtile und weiche Art könnten viele gebrauchen oder zumindest in ihr Training einbringen, um sich zu verbessern. Shiraishi sagte heute: „Most people do not know themselfe and this can cause much trouble. It is very dangerous.“ Ich glaube Sun Tsu hat schon in der „Kunst des Krieges“ geschrieben, dass man zuerst sich selbst kennen sollte, dann den Gegner. Sich selbst und seine eigene Persönlichkeit zu hinterfragen benötigt allerdings eine Menge Mut. Die aufzubringen fällt niemandem leicht. Im Zweifelsfall sollte man halt seine Richtung ändern und genau das ist für mich auch die Essenz von heute und der ganzen Reise. Ich meine nicht etwas hinzuschmeißen, wenn es schwer wird. Augeben macht beim Kampf ja auch nicht wirklich Sinn, wenn darum geht zu überleben. Nein, es geht darum einen anderen Weg zum Erfolg zu finden, wenn der geplante Weg versperrt ist. Oder man noch besser garkeinen speziellen Weg geplant hat, um wiederum flexibel zu handeln, wenn es nötig ist. Ein Ziel sollte man definieren über das WAS, BIS WANN uns das WIE. Letzteres sollte schon im Auge behalten werden, aber wenn man sich nur eine Strategie ausdenkt und diese nicht funktioniert ist man verloren.

Die Bewegungen von Shiraishi Sensei sind, wie er auch immer betont sehr natürlich. Ich denke es ist schlimm, dass es so schwer fällt sich locker und natürlich zu bewegen. Alle Shihane (so auch Shiraishi, was jeder weiß der ihn kennt), welche sich natürlich bewegen lächeln. Also könnte man schlussfolgern, dass lächeln, entspannt und glücklich sein zur Natur der Menschen und ihrem Handeln gehören sollte. Leider ist das oft nicht der Fall…

20151214_032231.jpg

Nach dem Training habe ich noch die letzten Mitbringsel besorgt und bin nochmal zu meinen LIeblings-Omis essen gegangen. Vom einfachen  Arbeiter, über Schüler, bis hin zu wohlhabend aussehenden Anzugträgern ist dort alles anzutreffen.

In Japan kann man übrigens überall auf öffentliche Toiletten (von denen es viele gibt) gehen, ohne hygienische Bedenken zu haben. An einem Bahnhof haben sie sogar ein plätschern über den Lautsprecher abgespielt. Wahrscheinlich dass niemand den Zug verpasst, weil er nicht konnte… 🙂

Es gibt in den Zügen gibt es auch spezielle Frauenbereiche, wo zu bestimmten Zeiten keine Männer rein dürfen. So ein Mist! Da will man sich zur Rush-Hour mal ein bisschen an Frauenkörpern reiben und dann sowas!!! 😉

Was ich auch oft gesehen habe, sind Kinder, die genau wie unsere in Deutschland sind: Mama ist ihr Ein und Alles, sie sind neugierig, wollen noch irgendwelchen Quatsch aus den Regalen an der Supermarktkasse haben und so weiter. Da sieht man, dass wir so gleich geboren werden auf der ganzen Welt und nur Politik, Religionen und Erziehung uns zu Feinden und Rivalen werden lassen. Selbst der Dalai Lama schreibt, dass die Welt wohl besser ohne Religionen dran wäre…

Das zweite Training war heute bei Nagato Sensei. Er sprach unter anderem davon, dass zu schützen und zu überleben das Jahresthema sein wird und in der nächsten Zeit immer wichtiger werden wird.

Soke sagte gestern er hat 42 Jahre gelernt, 42 Jahre gelehrt und nun bricht ein neues Zeitalter für ihn an. Als Ergänzung zu gestern ist mir noch eingefallen, dass man auch aufpassen sollte, wenn man Teile von antiken Waffen kauft. Wenn erkennbar ist, dass die Teile öfter getauscht worden sind (wenn z.B. viele Bearbeitungsspuren erkennbar sind), dann könnte das daran liegen, dass die Besitzer vielleicht relativ schnell gestorben sind. Diese mögliche Geschichte einer Waffe sollte man beachten. Dieses gilt auch für Möbel und ähnliches…

Obwohl ich sehr müde war, habe ich mich glücklicher Weise noch entschlossen zu Noguchi Senseis Training zu gehen. Nur 4 Schüler und ein toll aufgelegter und motivierter Noguchi. Ein grandioser Trainingsabschluss für Japan!

20151216_123621.jpg

 

Advertisements

Tag 9

Heute Morgen wurde Müll abgeholt. Ich hatte mit Paul ausgemacht diesen rauszubringen. Zwischen 7.00 Uhr und 8.30 Uhr muss er draußen auf der Straße an bestimmten Stellen in Tüten aufgestapelt werden, dass er abgeholt werden kann. Der Müll muss nach brennbar und nicht brennbar getrennt werden. Was mir Paul nicht sagte war, dass die Tüten mit Namen beschriftet werden müssen. Das hat mir dann seine Freundin Tomoe, die das Haus quasi leitet, per Chat mitgeteilt. Als ich fragte was ich draufschreiben soll, fragte sie erst ob ich es in Japanisch draufschreiben kann. Als ich dies verneinte, sagte sie ich kann es auch in Englisch drauf schreiben. Auf die Frage was sagte sie PAUL. ich fragte ob ich wirklich nur PAUL draufschreiben soll und ob die Müllfirma Paul denn so genau kennt!? Und sie meinte:“Kein Problem,es gibt nur einen Paul in Noda.“  🙂

20151215_031414.jpgDann bin ich recht zeitig nach Asakusa gefahren. (Nein, da sagt man nicht Gesundheit!!) Da steht ein sehr beliebter Tempel mit unglaublich vielen Souvenirshops rundherum. WENN man Souvenirs in Tokyo kaufen möchte, sollte man hier unbedingt mal hingehen. Natürlich habe ich auch einiges erstanden. Von dort bin ich dann zum Tokyo Skytree Tower gelaufen und hochgefahren. Dieser Turm steht noch nicht lange und ist das höchste Gebäude Tokyos. Die obere Aussichtsplattform ist 450m hoch. Und es ist gerade STAR WARS Ausstellung da oben.

Nach dem ich am frühen Nachmittag von meinem Touri-Teil des Tages zurück war, habe ich ausgeruht und etwas geschlafen, um für das Training mit Soke frisch zu sein. Es waren unglaubliche (wenige) 25 Leute beim Training! Ich habe wieder mit Jim aus Californien und einem japanischen Shihan trainiert. Der hat uns immer gute Tipps gegeben. Nach dem ersten Teil hat Sensei mal nichts gezeichnet, sondern hat sich auf einen Stuhl gesetzt, alle haben sich darum gesetzt und er hat erzählt. Eine so kleine und „nahe“ Gesprächsrunde kenne ich sonst nur von den Shihanen. Er sagte unter anderem, dass es heutzutage sehr viele Menschen gibt die BUDO nicht wirklich verstanden haben und er werde deshalb bald wieder ein Buch schreiben. Außerdem erzählte er, dass er einmal ein schönes altes Schwert angeboten bekommen hatte, bei dem er aber irgendwie kein gutes Gefühl hatte und es ablehnte. Derjenige der es dann kaufte starb kurze Zeit später und das passte wohl zu der Geschichte des Schwertes. Es gäbe viele Menschen die Antiquitäten kaufen und man sollte immer genau auf den Preis schauen und auf die Qualität und den Zustand, da sich so sehr viel über da Objekt erkenn ließe. Er Schwert das z.B. in sehr gutem Zustand ist, ist meistens auch nicht alt, denn die Schwerter sind eher rostig wenn sie sehr alt und wertvoll sind, man muss sie dann erst wieder polieren. Und auch die Geschichte eines Schwertes ist wichtig. Man sollte sich bewusst sein, dass mit einem alten Schwert vielleicht auch schreckliche Dinge gemacht wurden und viel (unschuldiges) Blut vergossen wurde. Diese (negative) Energie bleibt im Schwert erhalten und man sollte sich dessen bewusst sein. Man sollte nicht nur nach Preis, Form oder Farbe gehen, sondern die Energie fühlen und sich fragen was das jeweile Stück für eine Geschichte hat und dann seinem Gefühl trauen.

Der Abschluss des Tages war dann ein sehr schönes entspanntes Sushi-Essen mit Ricardo Gomez aus Hamburg.

Ich habe ein paar Notizen, zu denen ich noch etwas schreiben will, aber heute soll es erstmal genug sein. Gute Nacht aus Japan!

Tag 8

Heute Früh waren über 2 Stunden Footwork, Spinework, Handwork angesagt! Wer Shiraishi Sensei kennt weiß was ich meine… Bis kurz vor Ende der Session waren nur einer seiner älteren Schüler und ich da. D.h. die beiden haben sich 2 Stunden für mich Zeit genommen. Am Anfang kam ich mir echt vor wie ein blutiger Anfänger, aber nach einer halben Stunde wurde es dann besser. Shiraishis Training und Verständnis unserer Kunst unterscheidet sich sehr stark von den restlichen Shihanen. Natürlich sind auch Japaner nur Menschen und hinter Ihren freundlichen und zuvorkommenden Fassade tun sich die gleichen Abgründe auf, die jeder Mensch auf der Welt in sich hat. Jeder hat seine Licht- und Schattenseiten, sein In und Yo, seinen Engel links, Teufel rechts – lechz… So wird auch in Japan schlecht über Leute gesprochen, die anders sind oder Dinge anders sehen. So auch bei den Shihanen und einigen die keine sind. Mir geht dieser Trash-Talk ziemlich auf den Keks. Ich versuche zu allen Lehrern zu gehen und mir neue Ideen zu holen, Inspirationen besser zu werden und mich zu hinterfragen. Manchmal braucht man eine gewisse Stärke oder Härte und manchmal ist es auch dieser „sneaky way“ eines Shiraishi, den es braucht die Augen zu öffnen und den Horizont zu erweitern. In und Yo. Wenn Menschen Dinge generell ablehnen oder generell über alles stellen, versuche ich das generell zu hinterfragen und die jeweils andere Seite zu sehen.

Nach Mittagessen bei meinen Lieblings-Essen-Omis (die aber garnicht da waren, wahrscheinlich machen die immer die Spätschicht) und einer kurzen Shopping-Tour, ging es dann zu Nagato Senseis Training. Trainiert habe ich mit Jim aus Californien, der heute ankam. Da konnte ich gleich die sehr unterschiedlichen Aspekte von Robs Training gestern und Shiraishis heute anwenden. 🙂

Jetzt ist ausruhen angesagt. Morgen ist nur ein (nur EIN!!!!) Training bei Soke abends. Das letzte mal, dass ich ihn bei dieser Reise sehen werde.

In Japan, wie hier in Noda, sind alle Häuser auf engstem Raum gebaut. Die Fenster blickdicht verschlossen und man kann nur ahnen, was dahinter vorsich geht. Ich muss dann immer an Schottland denken, wo riesige gardinenlose Fenster den Blick ins Wohnzimmer ermöglichen. Menschen sind so gleich und doch alle verschieden. Nur im gleichen Maße verrückt… 😉

Auch sind die Häuser grau und farblos. (oder wie hier in der Nähe eines, PINK, was auch starke Geschmackssache ist) Aber nachts kriegt hier alles Farbe. Überall bunte Lichter und Schriften. Könnte kaum gegensätzlicher sein.

 

Tag 7

20151211_080025Nach kurzem Frühstück beim 7eleven ging es heute ab zum ersten Training des Tages bei Someya Sensei. Es wurde wieder mit Schwert und Bo trainiert. Er hat sehr auf Details geachtet. Die Distanz des Rokushaku Bo sollte genau so weit wie eine Mattenlänge sein und diese soll gegen Schwert zur Sicherheit auch unbedingt eingehalten werden. Wie gestern hat er immer kleine Pausen gemacht, damit sich die Anwesenden Notizen machen können.

Im Anschluss daran  ging direkt das Training von Soke los. Da er sich etwas verspätete, begann ein amerikanischer Shihan mit dem Training. Quasi als Anheizer… 😉 Bei Soke ging es dann um Yari (Speer). Es waren zwischen 35 und 40 Leute da. D.h. ungewöhnlich wenig Leute für ein Training bei Soke, wo sonst an ausschweifende Yari-Bewegungen garnicht zu denken ist.

Es ist interessant, wie unterschiedlich die ganzen Shihane arbeiten. Jeder hat seine Schwächen und Stärken, auf die man aufpassen muss oder sich inspirieren lassen kann. Leider ist auch erschreckend zu sehen, wie schwach sich manche doch bewegen und wie selbstsicher sie trotzdem auftreten. Vor allem in Japan lebende Geijin. Abgesehen davon, dass ich in seinem Haus lebe und nichts anderes sagen kann ;), ist Paul eine vorbildliche Ausnahme. Ich habe ihn als herzlichen Gastgeber kennengelernt. Stets freundlich, hilfsbereit, mit großen Fertigkeiten in Kalligraphie, Musik, Yoga, Budo und dabei im besten Sinne bescheiden und entspannt.

Danach ging es gleich mit Shihan Robert Renner zu dessen Training. Nicht ohne vorher noch einmal in Kashiwa zum Mittagessen zu halten. Mit 2 anderen Buyus hatten wir interessante Gespräche über das Bujinkan in Japan und außerhalb.

Robs Unterricht fiel mir erst recht schwer zu verstehen. Er bearbeitete die Themen aus einem gänzlich anderen Gesichtspunkt, als ich es kenne. Die Eindrücke sind hier auch noch zu frisch, um darüber zu schreiben. Vielleicht habe ich morgen die Gelegenheit ihm noch ein paar Fragen dazu zu stellen.

Zurück in Noda bin ich zu einem japanischen Restaurant gefahren, dass und Oliver gleich am ersten Tag zeigte. Gute japanische Küche von zwei alten Damen die hinzter der großen Selbstbedienungstheke kochen, braten und fritieren. Ich sagte schon zu Paul, dass ich ab Dienstag nur noch zu McDonalds gehen kann, um mich wieder an unser Essen zurückzugewöhnen… 😉

 

Tag 6

Ein leeres Kasumi An Study Center… Heute Früh haben sich Oliver und Julian verabschiedet und später als ich zum Training ging, habe ich mich auch von Paul verabschiedet.

Los ging es heute mit Seno Sensei. Bo (Stock) und Naginata (Lanze) waren Thema. Gleich im Anschluss dann Schwert und Bo bei Someya Sensei. Beim ersten waren wir 6 Schüler und beim zweiten Training nur 4. Quasi Personal Training mit den japanischen Shihanen. Es wurden sehr viele Details erklärt und ich konnte wegen der wenigen Leute auch viele Korrekturen genießen.

Someya Sensei hatte 3 Tsuba (Handschutz am Samuraischwert) mit. Antike Stücke, die er zum Verkauf mithatte. Die älteste war etwa 300 Jahre alt. Sie war ungewöhnlich. Sie war nicht rund und er erklärte welchen Sinn das hatte. Außerdem waren auf ihr 7 Vögel abgebildet. 6 davon verbanden den inneren mit dem äußeren Ring und waren symetrisch eingearbeitet und einer der nicht richtig „passte“ und nur mit dem Inneren Teil verbunden war. Da ich ja vor jeweils 7 Jahren hier war, die 7 eine besondere Zahl ist und es auch noch reisende Zugvögel waren, war ich echt von dieser Tsuba fasziniert. Someya hatte sie einst für 150.000 Yen gekauft und wollte dafür „nur“ etwa 60.000 Yen, aber ich übersteigt leider immernoch mein Reisebudget…

Am Nachmittag war ich am SAKURA GI Schrein. Schon vor 7 und vor 14 Jahren war ich dort. Immer wieder ein toller Ort!! Natürlich kann man nicht dort sein, ohne Glücksbringer zu kaufen!!!

Das Abendtraining bei Sakasai Sensei war dann wieder mit nur 4 Schülern. Bei Seno hatte er noch mittrainiert. Der Typ ist echt Klasse!! Ein eher junger japanischer Shihan. Wahrscheinlich ist er über vierzig, denn er sieht wie etwa 30 aus. Die Japaner sehen alle so jung aus verdammt!!! Sakasai lacht sehr viel und er hat eine tiefe donnerne Stimme, so dass er immer klingt wie ein Bösewicht in einem Hollywood-Streifen wenn er lacht. Kenjutsu wurde trainiert. Wieder mit Augenmerk auf viele Details und er hat sich sehr viel Mühe gegeben viel zu helfen und Inputs zu geben.

Danach habe ich noch meinen ersten alleinigen Sushi-Restaurant-Besuch gestartet und habe mich für schlappe 1440 Yen (ca.12 Euro) pappsatt gegessen!

 

Tag 5

Nach einem kurzen Frühstück gab Paul uns eine Junan Taiso/Yoga Class. Ich kenne Yogaübungen ja ganz gut, habe diese aber schon lange nicht mehr trainiert. Aber Paul hatte sehr viele hilfreiche Methoden und Tipps jeden der Teilnehmer genau an seine Grenzen der Beweglichkeit und Kraft zu bringen.
imageNach Mittagessen, kleiner Shoppingtour und kleiner Ruhephase, ging es dann zu Sokes Training. Zu dieser vorweihnachtlichen Zeit ist das Honbu Dojo nicht wirklich voll. Man konnte sogar gut mit Yari trainieren. Soke hatte frisch gefärbte Haare und er wirkte genau so frisch und fröhlich wie diese. Unglaublich… 84 Jahre…

Nach Abendessen in der Sushi-Bar und entspannen im Onsen (Badehaus), wo ich wie immer meine Tattoos abdecken musste, damit ich nicht rausfliege, ging es zurük ins Kasumi An. Ab morgen werde ich hier alleine wohnen. Oliver und Julian fliegen zurück nach Deutschland und Paul muss wieder nach Yokohama, um zu arbeiten. Er fliegt dann nächste Woche in die USA, d.h. ich werde auch ihn nicht mehr sehen und bin dann bis zum Ende der Reise alleine im Kasumi An.

image.jpeg

Tag 4

Beim Training mit Nagato Sensei sprach dieser über die Wichtigkeit das Training zu genießen. Man sollte Spaß dabei haben, um locker und flexibel zu sein. Natürlich auch nicht albern, denn es handelt sich um eine erste Sache. In anderen Budo (Sport)-Arten wird fast nie gelacht, aber dort ist man meistens auch nicht wirklich flexibel, sondern eingeschränkt. Nagato Sensei hat wiederholt das Beispiel von Kendo Kämpfern gewählt, die ohne ihr Schwert verloren sind. An sich können sie ja sogar nur mit dem Shinai umgehen. Um ein richtiges Schwert zu handhaben, müssten sie komplett umlernen, aber ihnen fehlt Taijutsu. So ist das Bujinkan das einzige System, was Budo wirklich lebt. Denn nur mit dieser Flexibilität und der daraus folgenden Bewegung ist das Leben ja möglich.

Er brachte dies auch in Verbindung mit Shin Gi Tai (Geist, Fähigkeit und Körper ist eine mögliche Übersetzung), die in Harmonie zusammen funktionieren müssen. Fehlt eines oder gar zwei der drei ist es nicht vollständig. Ich denke und dachte sofort an das Prinzip von Ethik, Taktik und Technik, was ich gelernt in verinnerlicht habe und von welchem ich denke, dass auch die Reihenfolge von entscheidender Wichtigkeit ist.

 

 

Tag 3

Nachdem wir aufgestanden und lecker japanisch gefrühstückt hatten, gab es Training bei Paul im Kasumi An.  Die tolle Atmosphäre des Hauses überträgt sich automatisch auf das Training. Die lockere und interessante Art von Paul zu unterrichten tut sein übriges…

Danach ein überragendes Mittagessen in einem japanischen Restaurant. Es ist absolut erstaunlich und für Europäer ungewöhnlich wie viel hier Wert auf gutes Essen gelegt wird. D.h. auch in Europa gibt es gutes und exklusives Essen, aber hier gibt es im kleinsten Restaurant beste Küche zu super günstigen Preisen. Als Fremder findet man solche kulinarischen Perlen garnicht. Oft erkennt man sie von außen nicht oder traut sich vielleicht nicht hinein. Dabei sollte es, bei so etwas Essenziellem, wie Nahrung doch selbstverständlich sein, nur das Beste auszuwählen.

Später war Training im Honbu Dojo mit Nagato Sensei. Sehr stark…

Dananch fuhren wir direkt in die Innenstadt zum Training von Nakadai Sensei. Ein tolles klar aufgebautes Training mit vielen Dingen die man vom Bujinkan Honbu Dojo so nicht kennt. Training auf Zeit und Freikampf-Übungen. Ich hoffe es nocheinmal zum Training mit ihm zu schaffen. Ein besonderes Vergnügen hierbei ist mir, dass meine Familie und ich Nakadai Sensei vom Kinderfernsehen kennen, wo Erik von pur+ auf KIKA bei ihm zum Training war. 🙂

Den Weg zurück zum Zug nutzten wir das Nachtleben der Tokioer Innenstadt zu erleben. Wahnsinn! Von einem Aussichtpunkt auf einem hohen Gebäude sah es aus wie ein bunter Ameisenstaat.

Ziemlich geschafft und müde waren wir nach einem anstrengenden Tag mit 3 Trainingseinheiten und langer Zugfahrt dann zu Hause.

Tag 2

Kleine Party im Kasumi An nach einem weiteren spannenden Tag.
Früh ging es gleich los durch komplett Tokyo mit dem Zug zu einem Tengu-Berg. Traumhafte Fotos von Tempel, Statuen und Natur bei Sonnenschein und klarer Luft. Eigentlich wollten wir dort auch ins Onsen (Badehaus) gehen, aber dort stand gleich mehrmals groß auf noch größeren Schildern, dass keine Tattoos erwünscht sind. Da hab ich quasi verhindert, dass wir dort reingingen…
Wieder 3 Stunden zurück mit dem Zug und gleich ab zu Sokes Training. Es wurde Schwert trainiert gegen Schwert, Bo und als Variante Muto Dori. Auch Soke sprach davon flexibel zu sein, um schnell Dinge zu ändern. Wenn man beispielsweise das Schwert abwehrt und zu schnell oder langsam ist und das Schwert auf der „falschen“ Seite abwehrt, muss man fähig sein in die komplett „andere Richtung“ zu arbeiten, was widerum bedeutet, dass es eigentlich keine richtige oder falsche Seite gibt, sondern man frei mit dem Körper arbeiten und bewegen soll. Egal ob im Muto Dori oder mit oder gegen welche Waffe. Durch Muto Dori, Schwert und Bo verdeutlichte er das auch in verschiedenen Distanzen.
Gestern schrieb ich dass manche Soke für einen Schwindler halten. WENN dann schummelt er höchstens mit seinem Alter. Dieser lachende, Spaß machende, springende und in dieser Art bewegende Mann kann NIEMALS schon 84 sein. In und Yo verfolgend ist es vielleicht 48 oder so…
Später waren wir noch mit Paul japanisch Essen und im Onsen entspannen. Ich hatte immer ein Handtuch über meinen Tattoos. Wirklich verrückt war ein Becken, bei dem man Stromstöße auf die Nieren kriegt! Schmerzhaft ohne Ende und nicht auszuhalten. Nur lustig für die die zuschauen…

Japanreise Tag 1

Was für ein Auftakt! Sind heute gleich zum Training zu Nagato Sensei gegangen oder besser klassisch japanisch mit dem Damenrad gefahren. Unterwegs sagte Oliver, wenn mich Nagato sieht will er bestimmt wissen was ich kann und ich muss was zeigen. Im Dojo, nachdem keine frisch gebackenen Godan zur Verfügung standen, zeigt Nagato auf mich und fragt: „Whats your name? And where you coming from?“ Und nach meiner Antwort, „Show a technique!“ Ich musste nicht weiter überlegen, hab mich von Oliver mit Wurf angreifen lassen und mit Seion gekontert. Danach war ich dann eine knappe Stunde Uke (Trainingspartner, für alle nicht Kampfkünstler unter den Lesern). Hatte ein tolles Training mit Oliver und den Eindrücken die ich von Nagato bekommen habe.
Die Pause wurde dann ziemlich lang. Aber gut!! Nagato sprach davon, dass Soke (unser Großmeister) oft seine Meinung ändert. Oft wird deshalb schlecht über ihn geredet oder gesagt er sei ein Lügner, aber Nagato sagte er sehe das eher als ein Entwicklung die immer stattfindet und stattfinden muss. Man kann auch seine Meinung ändern, ohne dass die alte Meinung falsch sein muss. Als der Titel DAI SHIHAN eingeführt wurde sagte Sensei erst es solle nur 2 geben, Nagato und Noguchi. Eine Woche später haben weitere 2 den Titel erhalten und dann noch mehr. Die Ideen entwickeln sich eben. Die Menschheit würde nicht mehr existieren, wenn sie sich nicht anpassen würde. Der Stärkere frisst den Schwächeren nur dann wenn er sich auch zum Stärkeren entwickelt und nicht stehen bleibt.
Als der Terror von 9/11 stattfand wurde das Reisen sehr anstrengend und wenn Soke am Flughafen sagte er würde Kampfkunst unterrichten und noch nicht wissen wohin und wie lange er (speziell in die USA) einreisen wolle, gab es jede Menge Theater. Kurze Zeit später fuhr Soke nicht mehr auf TAIKAIs in die Welt.
Als wir wieder (als deutsche Bikergang mit unseren sehr protzigen Damenrädern) heimgeradelt waren, hat uns Oliver zu einem echt günstigen und sehr leckerem japanischen Restaurant geführt und nun lassen wir den Abend im Kasumi An ausklingen.
Was für ein Hammertag! Vielen Dank speziell an meine Familie, die das möglich macht!!!