Japan 2019, Tag 7

Schöner Tag. Angefangen vom warmen sonnigen Wetter bei fast 20 Grad Celsius, über leckeres Essen und gutes Training.

Am Morgen bin ich zu Furuta Senseis Training im Honbu Dojo gefahren. Ich habe mit Katzuhisa San aus Japan und Javier aus Spanien trainiert. Das war besonders lustig, weil Katsuhisa und ich uns immer mit den im Gürtel steckenden Messern überrascht und angegriffen haben. Wir hatten definitiv den meisten Spaß von allen, wie noch auf dem Foto gut zu erkennen ist…

Danach fuhr ich mit Oliver aus Wien, welcher heute den letzten Tag hier ist, zum Sakuragi Schrein. Den besuche ich fast immer, denn er ist einer der schönsten Shinto Schreine in der Gegend. Auf dem Weg dorthin kommt man auch direkt an einem Tempel der „Konkurrenz“ vorbei (weil buddhistisch…). Obwohl es in Religionen ja im Grunde nicht darum geht gut „auszusehen“, legen doch alle oder zumindest die meisten weltweit viel Wert auf Schönheit, Glanz, Anmut und Würde. So wie eine europäische Kirche, sind auch hier Tempel und Schreine gleichermaßen mit diesen Attributen gesegnet. Und auch wenn ich kein Spinnen-Fan bin, war selbst die Spinne, die am Tempel ihr großes Netz gesponnen hatte, mit ihren Farben und Details faszinierend (schön).

Oliver war vor drei Jahren schon einmal am Sakuragi und wollte da auch immer noch einmal hin, hat ihn aber erst wiedererkannt, als wir dort waren und sich gefreut, dass sich das so „ergeben“ hat. Es gab dort tatsächlich eine auf dem Bild zu sehendes Gestell, wo man sein Handy einlegen kann, um ein Sefie zu machen!! Diese Japaner sind uns aber auch immer einen Schritt voraus!!!

Nach unserem Kulturteil sind wir weiter zu „meinen Omis“gefahren, haben reichlich und sehr gut zu Mittag gegessen und uns noch für ein Training am Abend verabredet.

In der Zwischenzeit habe ich etwas Ruhe und Erholung eingebaut. Auf der Veranda des Hauses und dann im Haus.

Zum Training waren Oliver und ich dann 19:00 Uhr bei Noguchi Sensei. Was soll ich sagen, jeder der schon mal bei ihm war weiß, dass es ein Feuerwerk an Techniken ist, was er immer abfeuert. Am Ende ist man körperlich und geistig gut geschafft, weil man 2 Stunden ohne Pause trainiert hat und unterhalten wurde, aber man weiß kaum noch eine Technik, weil es einfach zu viele waren. Noguchi Sensei hatte aber jede Menge Freude und das überträgt sich auch auf die Schüler. Man kann vielleicht nicht so viel lernen, aber es macht riesig Spaß!!!

Den Abschluss bildete heute nochmal das 100¥ Sushi Restaurant, zusammen mit Oliver, der morgen nach Kyoto reist. Es ist schön immer wieder Bekanntschaften und Freundschaften über das Bujinkan zu schließen. Es gibt wohl wenige Vereinigungen auf der Welt, die so viele Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringen und sie „friedlich miteinander kämpfen lassen“. Alleine heute habe ich Trainingspartner aus 3 verschiedenen Nationen trainiert. Alle respektieren und akzeptieren sich. Natürlich mag man mal einen mehr und mal einen weniger, aber kein Vergleich zum ganzen Unfrieden in der Welt, viel eher ein Vorbild wie der Umgang in der Welt miteinander von statten gehen sollte.

Japan 2019, Tag 6

Ein harter Trainingstag geht zu Ende. Erst war ich im Honbu Dojo und habe mit Javier aus Madrid 2 Stunden bei Shiraishi Sensei trainiert. Javier ging es wie mir vor ein paar Jahren, als auch ich mal so ein „Privattraining“ bei Shiraishi Sensei hatte. Man ist fasziniert ob der scheinbaren Leichtigkeit und frustriert weil es so schwer ist. Die Bewegungen sollen natürlich und doch unvorhersehbar erfolgen. Timing und Fußarbeit sind entscheidend, die Balance Kontrolle zu übernehmen. Ich habe Javier so gut ich konnte geholfen und am Ende der Stunde hat er es auch immer besser hingekriegt.

Dann war gleich eine Session mit Paul, an der ich teilnahm. Wir haben einiges aus Yokohama wiederholt und neue Dinge trainiert. Techniken mit Kette, Messer und Schwert.

Zwischen den beiden Session nutzte ich die Zeit (ganz allein im Honbu Dojo) Fotos von den ganzen Masken im Dojo zu machen. Eine kleine Auswahl ist auf dem Foto zu sehen.

Danach ging es erst mal lecker Mittagessen am Fließband vom 100¥ Sushi Restaurant. Ziemlich voll gefressenen, war ich dann gerade rechtzeitig bei Paul, wo ein Shuriken (Wurfsterne, -Messer/-Pfeile) Training mit dem zukünftigen Soke der Negishi Ryu stattfand. Dieser hatte eine Auswahl seiner selbst hergestellten Waffen mit. Bo Shuriken in verschiedenen Ausführungen, als Flöte getarnte Blasrohre aus Eisen (daher auch als Schlagwaffe verwendbar), Tessen (Fächer) und anderes. Er zeigte uns die Art des Werfens in seiner Ryu (Schule). Diese ist (im Gegensatz zu unserem meist verbreiten Wurfstil) sehr natürlich, aus einer einfachen Bewegung mit dem Arm, ohne auszuholen oder den Körper „verräterisch“ zu bewegen. Der Meister warf aus allen Positionen perfekt. Sehr beeindruckend.

Dann musste ich mich beeilen, um schnell nach Kashiwa zum 2. Training von Shiraishi Sensei zu kommen. Das Abendtraining dort findet immer in einer Halle statt, die aus 2 Mattenflächen besteht und mit einer Aikido Gruppe geteilt wird. Das ist manchmal etwas ablenkend, denn die Techniken und fließenden Bewegungen im Aikido sind schon sehenswert.

Nach diesen 2 weiteren Trainingsstunden war bei mir aber endgültig die Luft raus. Ich bin ganz schön kaputt nach Hause gefahren und freue mich nun, nach absolviertem Blog-Schreiben, auf eine schöne heiße Dusche und dann auf meine Bett!!!

Japan 2019, Tag 5

Früh ging es als erstes zu Ishizuka Sensei ins Honbu Dojo. Oliver und ich hatten ein starkes Training. Ishizuka Sensei hat immer jemanden eine Technik zeigen lassen, ließ diese dann kurz trainieren, um dann Details zu erörtern und zu verbessern. War ein schönes Training mit vielen Dingen, an denen wir (noch lange) arbeiten können.

Paul und ich sind dann japanische Pfannkuchen essen gegangen. Die werden direkt auf der Theke zum zuschauen gebraten. Wie gewohnt sehr lecker.

Nach ein wenig Zeit zum Ausruhen, ging es dann zu Soke zum Training. Shiraishi Sensei fragte mich, ob ich mit ihm trainieren würde, was ich natürlich gerne annahm. Soke zeigte wie der Uke über Finger und Ellbogen kontrolliert werden soll und verdeutlichte dies weiter mit Muto Dori gegen Messer, Schwert, Bo und auch mit Schwert gegen Schwert.

In der Pause, als sich wieder viele Teilnehmer ein Bild oder eine Kalligraphie von Soke anfertigen ließen, kam Furuta Sensei zu mir und sagte, er hätte ein Geschenk für mich. Er überreichte mit eine Zeichenrolle, um mich bei Soke mit anzustellen. Ich wusste gleich garnicht, was ich mir zeichnen lassen sollte… Man kann sich auch nichts wünschen und Soke zeichnet, was er denkt, was zu Zeit, Ort und Person passen könnte, aber ich sagte ich hätte gerne Tiger und Drachen. Er zeichnete dann die Kanji für Tiger und Drachen, die sich quasi bekämpfen. Wie das im Leben so läuft, mit dem Engelchen und Teufelchen auf den Schultern… Yin und Yang/ In und Jo…

Nach dem Training bin ich mit Oliver, Doug, Pete und Rena in eine Craft-Bierkneipe gefahren. 10 verschiedene Fassbiere (unter anderem ein grünes Bier, mit Grüntee-Anteilen) und Unmengen an Flaschenbieren zur Auswahl. Von herb bis süßlich, war alles zu haben. Mit Espresso Geschmack und Rena hatte noch sehr süffiges Cocosnuss Bier, was ich aber nur kosten konnte, denn mein Limit als Sehr-selten-Biertrinker war nach 4 Bieren bereits ausgereizt und ich musste ja noch eine Bahnfahrt mit umsteigen nach Noda auf die Reihe kriegen. Wir hatten super viel Spaß und es war eine tolle Art Oliver zu verabschieden, der heute wieder heimfliegen muss.

Mit etwas Mühe und ich glaube etwas Umweg, weil ich mich mal etwas in der Bahn vertan habe, kam ich dann nach Hause. Zum Schreiben des Blogs kam ich dann nicht mehr. Das hab ich jetzt am Morgen, mit leichten Kopfschmerzen unerklärlicher Herkunft, gemacht. 😜😜😜

Japan 2019 Tag 4

Leider hat die Website sich beim Speichern meines Beitrages aufgehängt. Also nochmal:

Heute war eher mal Kultur angesagt. Ich bin Früh, nach dem ich ein weiteres Mal vergeblich versucht habe die Airline wegen meines Koffers zu kontaktieren, mit mittlerer Krawatte (ob des Fehlen des selbigen) nach Yokohama aufgebrochen.

Also ich noch nicht so viel meiner ca. 2 stündigen Zugfahrt hinter mich gebracht hatte, kam eine Nachricht von Rob, meinem Mitbewohner, dass der Koffer eingetroffen sei. Also kam (zumindest IN mir) die Sonne raus.

<apropos Sonne, kurze Zwischengeschichte, für die die sie noch nicht kennen: als ich vor 2 Jahren hier in Japan war, hat mir eine junge Japanerin gesagt, warum mich viele Leute so komisch angesehen haben. Ich trug im Dezember eine Sonnenbrille. Ich sagte, dass es doch sonnig sei, aber sie meinte in Japan trägt man Sonnenbrillen nur im Sommer. Im Winter kommt das bei den Japanern eher schräg an. Ich sagte, dass es doch aber SONNENbrille und nicht SOMMERbrille heißt!?! Aber sie meinte nein, Sonnenbrillen sind nur für den Sommer!! 😎🙈😎😜>

Zurück zur Fahrt nach Yokohama. Ich hatte Tomoe nach Orten gefragt, die man in Yokohama unbedingt mal gesehen haben muss und sie nannte mir einige. Als erstes bin ich ein paar Kilometer von Yokohama ausgestiegen, um den Soji-ji Tempel aufzusuchen. Google brachte mich zu einem kleinen hübschen Tempel, der zwar sehr schön, aber weit weg von Tomoes Beschreibung eines großen berühmten Tempels weg war. „Hat sie wohl ein bisschen übertrieben!“ dachte ich. Naja, statt wieder in den Zug zu steigen, um weiter nach Yokohama zu fahren entschloss ich mich (obwohl eigentlich noch viel zu weit weg) Richtung Yokohama zu laufen. Als ich ca. 300m weit war, kam ein riesiger von Bäumen gesäumter Weg zum Vorschein. Wie sich herausstellte, was DAS der Weg zum Tempel, der sich dann tatsächlich als sehr großes Gelände mit riesigen beeindruckenden Gebäuden erwies. Im größten der Tempelgebäude hat ein Mönch oder Priester gerade eine Zeremie bzw. Gebet abgehalten, in dem er Texte/Mantras rezitierte und in immer eine Klangschale von ca. 1m Durchmesser anschlug. Wenn er das tat, hat die Schale den ganzen riesigen Raum zum Schallen und Vibrieren gebracht. Man konnte die Vibrationen auf den Haut spüren.

Als ich dann doch weiter nach Yokohama fuhr, bin ich als Nächstes am Yokohama Landmark Tower ausgestiegen. Dort fuhr ich mit dem schnellsten Fahrstuhl der Welt in den 69. Stock, die 360 Grad Aussicht zu genießen.

Von dort aus bin ich über den Deutschen Weihnachtsmarkt nach Chinatown gelaufen, dem größten weltweit (außer dem Land rechts unterhalb von Russland… ). Sehr laut, sehr bunt und man kann überall essen, kaufen oder sich aus der Hand lesen lassen…

Als meine Füße schon relativ gebrannt haben, bin ich dann zum Yokohama Bujinkan Dojo gelangt. Paul und Tomoe haben dort einen tollen Platz gefunden um Yoga und Bujinkan zu unterrichten. Es war ein schönes Training mit Teilnehmern aus Japan und den USA. Wir haben an verschiedenen Möglichkeiten gearbeitet, Grundtechniken und das Kihon im täglichen Leben anzuwenden.

Paul und Tomoe haben mich dann mit dem Auto wieder zurück nach Noda mitgenommen, wo ich endlich meinen Koffer umarmen, knuddeln und liebhaben konnte und nach einer Dusche frische Klamotten und meine heiß ersehnte Jogginghose anziehen konnte.

Japan 2019, Tag 3

Also um es gleich vorneweg zu schicken, mein Koffer ist immer noch nicht da. Ich saß heute wie auf Kohlen und habe gewartet, dass mein Koffer geliefert wird, aber bis 10:30 Uhr war niemand da, also bin ich mit Rob erst mal zum Training von Soke gefahren. Nach späteren hin und her WhatsAppen mit KLM soll er wohl an die Zustellerfirma ausgehändigt sein, da das aber 24-48 h dauern kann, soll ich mich doch bitte noch gedulden… 😫😫😤

Also besser vom Training von Hatsumi Sensei erzählen: Einige sagen, dass es das letzte Training von Soke dieses Jahr gewesen sein könnte. Shoshi San sagte aber am Abend, dass er glaubt Hatsumi Sensei unterrichtet noch nächste Woche. Mal sehen… ich hoffe natürlich, dass letzteres der Fall sein wird und ich ihn noch sehen kann. Ich hatte die große Ehre und Freude mit einem meiner beiden Mentoren im Bujinkan Jack Hoban zu trainieren. Wer hätte das gedacht. Mit Jack mal ein Training bei Hatsumi Sensei absolvieren zu können. Umringt von vielen hochrangigen Lehrern, hat Jack mir viele Details erklärt und mich auf Dinge hingewiesen, die nur schwer erkennbar sind. Soke sagte, dass die Fußarbeit das wichtigste ist und man nicht kämpfen soll. Er hat und gibt keine Intension zu kämpfen, sondern kontrolliert Uke mit seinem „Nicht-kämpfen“. Hört sich schräg an, sieht saustark (bei ihm) aus und ist sauschwer bis gar nicht umzusetzen…

Danach gleich ein weiteres Highlight einer jeden meiner letzten Japanreisen! Für die, die den Blog schon länger verfolgen, sicher auch bestens bekannt: Ich war bei meinen Omis essen!!! 😃 AAAAABER: bedient haben 2 junge Dinger und ein Koch!!! 😳 Keine Omi weit und breit!!! 😱 Naja, geschmeckt hat es zumindest wie immer oooberlecker!!!

Apropos oooberlecker: mein (Hausfreund klingt schräg) Mitbewohner Rob aus London hat Frühstück gezaubert! So fängt der Tag mal richtig gut an!

Am späten Nachmittag hat mich Shoshi San von der Bahnstation abgeholt und zum Training von Furuta Sensei mitgenommen. Mit dessen Schülern und Par, Steven und Tom aus Los Angeles hatten wir dort eine tolle Zeit. Ich habe mit einem jungen Japaner names Kento trainiert, einem sehr freundlichen und guten Uke. Respekt! Par hatte ein 550 Jahre altes Schwert mit, was er sich gekauft hat. Ich hab lieber nicht gefragt, was es gekostet hat und durfte es mir auch ansehen. Furuta Sensei hatte auch eines dabei und alle, die sich die Schwerter anschauen durften, sollten sich etwas weiter weg von den anderen ins Licht setzen, so dass niemand durch eine unkontrollierte Bewegung verletzt werden konnte und man alle Details gut sehen konnte. Besonders das Schwert von Par hat mich (ohne dass ich das wirklich geahnt hätte) tief beeindruckt. So eine alte Waffe, mit vielen Details und Besonderheiten ist schon Wahnsinn in der Hand zu halten.

So und jaaa, ich habe mir eine Tüte Kackwürste gekauft, und jaaa, die schmecken tatsächlich ganz lecker, aber sehen halt doch wie Kacke aus… 💩💩💩 Und zum Glück habe ich wieder meinen absoluten Lieblings-Sake aus dem Tetrapack (was hier in Japan aber nichts qualitativ schlechtes heißt).

Japan 2019 Tag 2

11:30 Uhr

Auf dem Weg nach Noda vom Training bei Shiraishi Sensei in Kashiwa. Bin sehr früh aufgestanden, um zu Shiraishis Training zu fahren. Sein Training unterscheidet sich sehr von den meisten Lehrern hier in Japan. Er legt keinen oder kaum Wert auf Schläge und Tritte oder Techniken überhaupt. Die Fußarbeit und das Kontrollieren und Brechen der Balance des Uke (Trainingspartners) ist entscheidend. Er legte viel Wert darauf, dass man immer in Bewegung sein muss und ungeplante und unvorhersehbare Wendungen in der Bewegung machen sollte oder können sollte und natürlich solche auch akzeptieren können muss. Das ganze in einer natürlichen Bewegung, einem natürlichen Fluss. So wie im Leben… Quasi egal ob plötzlich ein Arm bricht, der Koffer weg ist oder die Klotür rausfällt – es muss weiter gehen… 😉

20:00 Uhr

Nach kurzem Ausruhen und dem Kauf einer neuen Hose, bin ich mit Rob meinem Mitbewohner zum Training zu Furuta gefahren. Es hat geregnet, aber echte Biker hält so was natürlich nicht auf und wir sind mit dem Rad gefahren. Wir hatten eine tolle kleine Runde mit noch 3 Jungs aus Los Angeles. Futura arbeitete auch an überraschenden Dingen und Möglichkeiten Taijutsu ungewöhnlich einzusetzen. Das ganze ging das über Messer und Schwert bis zum Bo (Langstab. nicht Po für die Nicht-Kampfkünstler hier!!). Danach lud er uns 5 alle zum Essen ein. Das Restaurant wäre von außen keinem von uns als Restaurant aufgefallen. Es ist direkt neben einem Laden für Kunstbedarf, so dass es von außen wie ein einziger Laden aussieht. Es war außer uns auch niemand da und die Küche sah so klein aus, dass man garnicht wusste wo das ganze Essen, was es gab, überhaupt hätte lagern können. Es war suuuuuper leckere japanische Hausmannskost und am Ende hat jeder von uns von der älteren Dame, die gekocht hat, noch einen gefüllten Reisklos mitbekommen.

Zwischendurch habe ich heute mit dem Handy eines Schülers von Shiraishi Sensei bei KLM angerufen, dass die mir meinen Koffer doch bis spätestens 10:00 Uhr morgen liefern sollen, denn 11:00 Uhr ist das Training von Soke und das möchte ich keinesfalls versäumen!!! Leider war nur der Anrufbeantworter dran. Ich bin gespannt wie das morgen wird!!!

Ach ja! Das auf dem Bild rechts unten gab‘s im Supermarkt. Ich habe es lieber nicht probiert… 😂😂💩💩

Japan 2019 Tag 1, Freitag 06.12.

Okay, nachdem ich also Freitag Früh in Noda, nach einer leichten gepäckfreien Fahrt, angekommen war, traf ich meine Gastgeber Tomoe und Paul im Kasumi An, dem Hauptgästehaus und Wohnhaus der beiden. Wir gingen lecker essen, wo man sein (seeeehr leckeres) Fleisch direkt auf dem Tisch grillt.

Danach brachte mich Paul in mein Domizil. Ein altes verwinkeltes Japanisches Haus, mit Holz- oder Tatamifußboden, Schiebetüren, Papierwänden usw, aber auch mit modernem Bad, WLAN und einer traumhaften beheizten Klobrille. Ein bißchen wie das Kasumi An (für die die es kennen), nur viel größer und verwinkelter. Ich habe mich am Anfang zweimal verlaufen und mein Zimmer nicht gefunden… Und die Lichtschalter sind echt schräg positioniert. Irgendwie immer genau dort, wo man sie nicht erwarten und suchen würde. Beispielsweise geht die Badtüre nach außen auf, aber wenn sie auf ist, ist der Schalter genau außen dahinter, dass man dann nicht mehr dran kommt. 🙈

Naja, ich bin dann mal einkaufen gegangen. Neue Schlüpfer, Socken, Zahnbürste etc. Später dann noch ein Paar Indoor Tabi (japanische Mattenschuhe) und von Paul habe ich Tshirts und einen schwarzen Gürtel fürs Training bei Soke (unserem Großmeister) leihen können. Damit war ich dafür zumindest ausreichend ausgerüstet.
Unterwegs traf ich meinen Freund Oliver aus Göttingen und wir sind gemeinsam zum Training gelaufen. Dort waren recht viele Leute (was zu erwarten war). Viele davon kannte (und kenne) ich vom sehen oder von Facebook und manche persönlich. Tolle Menschen, geschätzte Lehrer und langjährige Schüler von Soke aus der ganzen Welt. Zum Beispiel meinen Bujinkan Papa Jack Hoban aus den USA (eigentlich habe ich mit Steffen Fröhlich 2 Bujinkan Väter… und einen echten… das klingt irgendwie missverständlich…😳🤔), Stephanie aus Australien, die eigentlich aus Deutschland stammt, Shorn und Marc aus Großbritannien oder Rob und Hiromi (mit der ich trainiert habe) aus Japan.

Als Soke ankam und umgezogen war, setzte er sich erstmal ein paar Minuten auf einen Stuhl und schaute sichtbar zufrieden und erfreut auf seine Schülerschar und meinte wir sollen uns entspannen und genießen. Es ist unglaublich, wie er mit scheinbarer Leichtigkeit Training gibt. Trotz einiger Wehwehchen, die mit 88 Jahren wohl nichts ungewöhnliches darstellen, unterrichtet er mit einem Lachen und einer Art, die einem imponieren muss. Zwischendurch wurde immer mal unterbrochen und Darren rief Leute auf, die die Techniken und deren Interpretation und Umsetzung zeigen sollten. Es ging wie immer um Muto Dori, das Einnehmen und kontrollieren des Raumes. Zusammen mit Jack und Rob habe ich bemerkt, dass man Sokes Ausführungen (besonders wenn er scheinbar in einen Schwertstreich hineinlauft, ohne getroffen zu werden) nicht „einfach“ erklären kann. Es kommen so viele Aspekte zusammen, um dies gelingen zu lassen. Selbst ein sehr aufmerksamer Geist kann sie nicht oder nur schwer alle erfassen und schon garnicht erklären.

Nach dem Training ging ich noch lecker Sushi essen und dann ziemlich geschafft in mein schönes79AB527F-29D1-4953-ABBF-658F97060906 zu Hause hier…

Japan 2019

Japan 2019

5.12./19:45 Uhr MEZ

Meine nunmehr 7. Reise nach Japan beginnt. Und sie beginnt gleich sehr aufregend. In Nürnberg hatte die Maschine schon über 1,5 Stunden Verspätung. Dadurch hätte ich meinen Anschlussflug in Amsterdam längst verpasst. Im Flugzeug hat der Steward mich (und ein paar andere Fluggäste, bei denen es ebenfalls knapp wurde) ganz nach vorn geholt (1.Reihe!!), um als erstes rauszukönnen und zum Anschlussgate zu hetzen. Ich glaube die weiteste Entfernung im Amsterdamer Schiphol Flughafen ist die zwischen Ankunft aus Nürnberg und Gate F6!!! Ich bin mit Rücksack bepackt (gefühlte) 2 km gerannt und kam völlig außer Atem und durchgeschwitzt in meinem Flugzeug nach Tokyo an.

Der Steward dort hat wahrscheinlich gesehen, dass ich kurz vor einem stress- und überlastungsbedingten Herzkasper stand und hat mir gleich was zu trinken geholt.

Im Flugzeug sitze ich direkt hinter der Tür an der Tragfläche. Das heißt ich habe schön Beinfreiheit und Blick auf die Toiletten. Letzteres erspart Wartezeit, wenn man mal muss, kann aber auch mal bissl unangenehm werden, wenn einer mal richtig „einen reinsemmelt“ #Varion

Noch nicht lange nach dem Start hat es eine ältere Japanerin geschafft die eine Klotür rauszureißen!! Die Stewardessen haben dann versucht die wieder zu bauen und es nicht geschafft. Nach dem ich mit das ein wenig angeschaut habe, bin ich aufgestanden und habe die Tür wieder einsetzen können. Die Stewardess sagte ich sei ihr Held und ob sie mir ein Bier bringen könnte… 😄

Es passieren doch immer wieder neue Dinge auf so einer Reise. Mal sehen was noch kommt.

Etwas später im Zug.
Am Gepäckband habe ich auf einem Koffer einen Zettel mit verschiedenen Namen gesehen. Unter anderem mit meinem Namen. Also habe ich mich, wie dort stand, an das KLM Bodenpersonal gewendet. Meine Ahnung wurde von einer freundlichen jungen Japanerin bestätigt: mein Koffer ist noch in Amsterdam. 🙈🤦🏼‍♂️
Den bekomme ich, da Noda etwas weiter weg ist, erst am Sonntag(!!), also übermorgen zugestellt. Kann ich ja inzwischen meinen Schlüppi von innen nach außen und von vorn nach hinten wechseln. Witziger Weise habe ich meine Gi-Hose (Trainingshose) zum abpolstern im Handgepäck. Und meine Brille und Kontaktlinsenzeugs hatte ich für den Flug auch dabei.
Zumindest muss ich keinen schweren Koffer nach Noda karren… kann also kaum besser laufen.

Japan 2018, 9. und letzter Tag

Ein komischer Tag…

Wenn man den höchsten oder zumindest einen hohen Berg erklommen hat, geht es zwangsläufig erstmal nach unten… Heute Morgen kamen recht früh die Gedanken daran, wie man mit einer solchen Auszeichnung, wie sie Jörg und mit ihm ich und das Dojo mit allen seinen Mitgliedern bekommen haben, umgehen soll. Es bringt die Rangfolge schon erstmal etwas durcheinander und mit ihr die Leute. Es kommt zu Fragen, Ängsten, Irritationen und natürlich auch Neid. Gewollt oder nicht, wir sind ja alle nur Menschen. Ich kenne das aus früheren Tagen nur allzu gut. Es werden Begehrlichkeiten und Bedürfnisse geweckt, die eher störend als förderlich sind. Und die ärmste Sau ist dann der, der dem gerecht werden soll und dafür noch beneidet wird, aber aufkommendes Selbstmitleid nutzt leider auch keiner der Parteien etwas. Im Endeffekt ist es doch ein großartiges Lob und wir sollten froh sein, solche tollen sich ergebenden Chancen und Möglichkeiten zu haben.

Naja, dieser bittere Faden hat sich leider etwas durch den ganzen Tag gezogen.

Wir sind früh los, um an Shiraishi Senseis Training in Kashiwa teilzunehmen. Meine starken Uke aus Saito Japan und Fabiano aus Brasilien haben mir ein schönes Training ermöglicht. Balancebrechung und so Vorbereitung zur Anwendung von Kihon Happo war das Thema. Shiraishi Sensei sagte er lässt einige Dinge, wie Schläge, Tritte, oft aus dem Training, da er sich so auf einfache und wenige Details konzentrieren kann. Das erzeugt weniger Stress beim Üben und man kann mehr Erfolg daraus ziehen. Genial!!!

Mit Joshua sind wir dann noch (schon wieder) lecker essen gegangen (und ein letztes Mal: Sorry Doro!). Die Gespräche mit Josh waren großartig. Ein feiner Mensch! Meinen tiefen Respekt! 🙇🏼‍♂️

Wir machten dann einen kurzen Abstecher nach Ayase in den Budoshop. Der war mal halb so groß und vollgestopft mit Budozeugs, so dass man sich da drin nicht mal drehen konnte. Jetzt sind es 2 Etagen mit Budozeugs vollgestopft und man kann sich wieder nicht drehen…

Natürlich musste ich Jörg noch den großen Budokan zeigen, wo auch Soke früher unterrichtet hat. Siehe Foto.

Wir sind dann direkt zum Honbu Dojo gefahren, um unser letztes Training in Japan bei Furuta Sensei zu absolvieren. Steffen, Thomas und die beiden wunderbaren Sabines waren u.a. auch da. Beim Training passierte dann eine recht verrückte und schon mysteriöse Sache, auf die ich hier im Blog nicht näher eingehen möchte. Es war jedenfalls Zeit für eine ordentliche Gänsehaut. Wer mehr wissen möchte, soll mich bitte per PM anschreiben oder mich noch besser persönlich, bei einem Treffen danach fragen.

Nach dem Training unternahmen wir noch einen letzten Spaziergang zum Sakuragi Schrein, begleitet von Carolina aus Chemnitz. Der Schrein ist beleuchtet, wenn es dunkel wird, eine besondere Augenweide!

Morgen Früh geht es dann zeitig zurück nach Deutschland. Montag wieder auf Arbeit. Ich freue mich schon sehr auf alle. Natürlich besonders auf meine Familie, die mich und meine Leidenschaft für Budo unterstützen und sich mit mir freuen. Vielen vielen Dank!!!

Somit danke ich auch jedem Leser und verbleibe bis vielleicht zur nächsten Reise mit besten Wünschen und Grüßen! Lasst es Euch allen gut gehen, bleibt oder werdet gesund und freut Euch über alles, was Euch gegeben wird.

Japan 2018, Tag 8

Nein, das Bild von Jörg und mir täuscht. Und endlich ist es raus: nach ewig langer Heimlichtuerei, wurde Jörg heute endlich der schwarze Gürtel verpasst!

Doch von vorn: heute kamen unsere Gastgeber Paul und Tomoe aus den USA wieder. Deshalb haben wir uns entschieden zu keinem anderen Training zu fahren und die Yoga-Session im Hause Masse mitzumachen. Pauls Frau Tomoe hat diese erstklassig abgehalten. Ich denke morgen werde ich tierisch Muskelkater haben und übermorgen dann daran sterben… Tomoe hat viele Hilfsmittel, wie Decken, Kissen, Stühle und Holzklötze zur Unterstützung für die Übungen benutzt (wie im Altersheim… 😂😂) Leider habe ich vergessen mal ein Foto zu machen…

Nachdem auch Paul, der sichtlich unter Jetlag litt, angekommen war, sind wir gemeinsam mega lecker Sushi essen gegangen. So wie das Essen auf dem Bild aussieht, hat es tatsächlich geschmeckt (tut mir wieder sehr leid Doro! 😅)

Nach etwas Ruhe war es dann endlich soweit. Ich hatte mich schon vor Tagen mit Furuta Sensei abgesprochen, dass etwas mit Jörgs Graduierung passieren muss, da er ständig von Lehrern und Ukes angesprochen wurde, warum er nur einen grünen Gürtel trägt. Das Fass zum Überlaufen brachte dann noch das persönliche Lob von Soke für Jörgs Feeling. Naja, Furuta meinte wir sollen heute vor dem Soke-Training, zu dessen Büro kommen. Ich sagte zu Jörg, dass ich dort hin müsse. Als wir davor standen, meinte er er warte draußen und ich sagte, wenn er schon mal hier ist, kann er auch mal mit reinkommen. Als wir an der Reihe waren, deutete Furuta Sensei an, welchen Grad wir jetzt anstreben. Vorher war bereits ein 2. Dan im Gespräch. Plötzlich zeigte Furuta Sensei 3 Finger nach oben! Ich war platt und meinte er solle es entscheiden. Furuta Sensei winkte Jörg zu Soke an den Schreibtisch und dieser füllte eigenhändig (was nicht unbedingt üblich ist) die Urkunde zu, Sandan, dem 3. Dan aus. Jörg fragte: „Was macht er denn jetzt?“ und ich sagte:“Er schreibt deine Dan-Urkunde.“ „Zum 1. Dan???“ (Seinen Blick bei der Frage kann ich hier leider nicht wiedergeben! So ein bisschen wie Scrat von Ice Age, als seine Eichel wegschwimmt… 😳😂😂😂) Und ich sagte: „Nein! (Pause) zum 3. Dan.“ Gut, dass er mir an dieser Stelle nicht umgekippt ist! 😄 Ich zog ein Dan-Patch aus der Tasche, dass ich schon seit einigen Tagen für ihn habe und gab es ihm mit Glückwünschen. 😊

Dann ging es schnell zum Honbu Dojo. Alles was jetzt noch fehlte war, dass Sabine und Steffen Fröhlich zum Training kommen und ich sie dort treffen konnte. Sie wollten sich, gerade in Japan angekommen, mit mir dort treffen. Die Tür ging x mal auf aber von den beiden war nix zu sehen. Als das Training schon eine viertel Stunde lief, öffnete sich noch einmal die Tür und sie kamen endlich ins Dojo. Ich kann das Gefühl schwer beschreiben. Immerhin habe ich Steffen so ziemlich alles zu verdanken. Meinen tiefsten Respekt und Dank dafür! Als ich ihn später umarmte, war es, als schließe sich ein Kreis.

Meine Trainingspartnerin Farah und ich haben unterdessen versucht Sokes Ideen umzusetzen. Es geht immer darum den Gegner zu kontrollieren, ohne ihn besiegende wollen. Soke sprach davon, dass man versuchen sollte nicht zu töten oder zu verletzen. Auch der Gegner sollte, wenn möglich, nicht verletzt werden. Ich muss immer noch an den Vergleich des Kanadischen Shihan denken, der sagte es fühle sich an, als würde Soke mit (s)einem Kind spielen. Da versucht man auch die Kontrolle zu behalten, ohne natürlich das Kind zu verletzen. Auch nicht mental, in dem man es „besiegt“.

Natürlich MUSSTEN wir diesen großartigen Tag bei einem Glas Sake feiern! Morgen ist schon unser letzter Tag, bevor es Sonntag früh nach Hause geht.